Diese Abhandlung war Grundlage für einen 4-seitigen Artikel in der Fachzeitschrift für Freiflieger, der "Thermiksense". Der Artikel ist veröffentlicht in Thermiksense 1/2010, Seiten 24 bis 27.
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Bespannen
Seit meinem ersten Flugmodell, das ich im Alter von 9 Jahren, also 1951, selbst bespannt habe, verwende ich als Bespannung nur Papier, Vlies, Seide oder Nylongewebe. Folie habe ich bisher noch nie benutzt, da ich mit solchen Modellen sehr viele schlechte Erfahrungen gemacht habe. Insbesondere bei den Modellen „Der kleine UHU“ oder dem „Amigo“ infolge Strömungsabriss, wie unter der Rubrik: „Der kleine UHU“ beschrieben oder auch bei größeren Modellen, wie auf den verschiedensten Flugplätzen hautnah erlebt, die infolge flatternder Fläche, etwas schneller als geplant, wieder auf dem Boden zurück waren. Bisher habe ich fast alle meine selbstkonstruierten Modelle, wobei ich derzeit bei der laufenden Nummer 106 bin, wie auch die etwa 30, nach Plan gebauten Modelle mit diesem Bespannmaterial bezogen. Lediglich das 5 m Modell, die GK 61, und die F3B-Modelle, wie noch 2 weitere Modelle waren, aus Stabilitätsgründen, vollbeplankt und mit Glasseide überzogen.
Die nachfolgend beschriebene Bespannmethode habe ich in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bereits in Fachzeitschriften, wie „FMT“ und „Thermiksense“, jedoch nicht so ausführlich, veröffentlicht. Diese Methode hat den Vorteil, dass weniger Feuchtigkeit in das Holz des Modelles eingebracht und somit weniger Verzugsmöglichkeiten entstehen, denn beim Aufkleben der Bespannung mit wasserlöslichem Kleber, wie Glutofix, darf das Modell vorher nicht mit Grundierung gestrichen werden, sondern der Kleber muss auf das rohe Holz aufgebracht werden um die Klebekraft zu erhalten, was einen hohen Eintrag von Feuchtigkeit in das Holz und eine entsprechend lange Trockenzeit, mit sich bringt. Sollte ein Rohbau dennoch grundiert werden und dann die Bespannung mit Glutofix aufgebracht werden, kann später die Bespannung wesentlich einfacher erneuert werden, was ich bereits mehrfach als positiv bewerten konnte.
Wie bei allen Flugmodellflächen ist auch hier die Grundvoraussetzung, dass der Rohbau verzugsfrei auf einer entsprechenden Helling gebaut wird. Ist ein Verzug in der Fläche wird sich dieser immer, wenn auch nach Jahren, wieder einstellen, da auch der Spannlack ein Kunststoff ist und Verzüge eine Kraft ausüben, denen ein Kunststoff über längere Zeit nicht standhalten kann.
Vor Bespannen der Fläche muss diese, am besten mit Zaponlack, da dieser sehr leicht ist, gestrichen werden, wobei beim ersten Anstrich alle Teile der Tragfläche gestrichen werden sollen, was ein, wenn auch geringer, Festigkeitszuwachs ergibt. Nach Trocknung werden die Klebeflächen der Bespannung, mit feinem, scharfem Schleifpapier, leicht abgeschliffen um die entstandene Rauhigkeit zu beseitigen und dann werden lediglich diese geschliffenen Flächen nochmals mit Zaponlack gestrichen.
Vor der Festlegung des Bespannmateriales ist zu beachten, dass Vlies nicht elastisch ist und somit für sphärisch gewölbte Bauteile, wie elliptische Flächenenden mit aerodynamischer Schränkung nur mit Schwierigkeiten und entsprechender Faltenbildung verwendet werden kann und somit nur bei rechteckigen oder trapezförmigen Flächen angewendet werden sollte. Papier ist hier etwas besser geeignet, da es in feuchtem Zustand geringfügig zu dehnen ist und an solche Bauteile mit entsprechender Vorsicht angepasst werden kann. Bei Seide ergeben sich hierbei keine Probleme, da dieses Material sehr flexibel ist. Bei Nylongewebe gibt es Unterschiede von sehr geschmeidig bis unflexibel, je nach Dicke des verwendeten Einzelfadens.
Bei dem Zuschneiden der Bespannung aus Papier oder Vlies, mit entsprechendem Überstand, muss auf die Laufrichtung der Fasern geachtet werden. Die Laufrichtung muss immer Parallel der Spannweite verlaufen. Diese läuft immer in Richtung der längsten Seite des Bogens bzw. in der Rollrichtung des Vlieses. Das Bespannmaterial, sei es Papier, Vlies oder Seide wird von mir in feuchtem Zustand aufgespannt. Hierzu wird das mit Überstand vorgeschnittene Bespannmaterial auf die Fläche aufgelegt und mit einem weichen Schwämmchen oder mit einem Sprüher Wasser aufgebracht. Bei Papier und einem Schwämmchen muss dies sehr vorsichtig erfolgen, da ansonsten das Papier zerreissen kann. Als Sprüher kann ich keinen Blumensprüher empfehlen, sondern eine Sprüher aus dem medizinischen Bereich, da diese wesentlich feiner und gleichmäßiger sprühen.
Bei Papier sollte zuerst eine Probe gemacht werden, ob diese sich entsprechend feucht bearbeiten lassen. Die neueren Papierarten neigen dazu, dass sich die Oberfläche beim Einstreichen in nassem Zustand aufrubbelt, wobei die Rubbeln nicht mehr wegzubekommen sind und je mehr gerieben wird, desto mehr und größer werden die Rubbeln. Ich konnte auch nicht erkennen, ob es hier eine Ober- und Unterseite gibt. Beide Seiten waren gleich. Hier hilft nur trocken aufbringen und halt ein oder zwei Mal mehr mit Spannlack streichen, was ein Mehr an Gewicht bringt.
Bei Seide ist ein weiches Schwämmchen besser geeignet, da mit dem angefeuchteten Schwämmchen die Seite gleich glatt und faltenfrei gestrichen werden kann. Beim Zuschneiden sollte darauf geachtet werden, dass das Bespannmaterial oben und unten jeweils um die Nasenleiste herum gelegt wird, was eine deutlich höhere Stabilität der Nase bewirkt. Bedingt durch die Feuchtigkeit klebt das sehr schön auf der Bespannfläche und kann gut glatt gezogen werden. Auch hier wieder Vorsicht bei Papier. Nach dem Einsprühen sollte Papier umgehend weiter bearbeitet werden, denn bei einer zu langen Wartezeit kann das Papier aufweichen und bein Glattziehen dann zerreißen. Seide sollte, nach dem Einsprühen etwa 10 Minuten ziehen gelassen und erst dann glattgestrichen werden. Sollten in der zwischenzeit trockene Stellen auftreten, muss wiederum mit Wasser eingesprüht werden. Die Seide kann nach dem Glattstreichen auch mit Stecknadeln fixiert werden, wodurch die Vorspannung noch erhöht werden kann.
Beim Auflegen von Papier und Vlies muss darauf geachtet werden, dass beide Materialien eine glatte und eine rauhe Oberfläche haben. In meinen Jugendgruppen und bei entsprechenden Weiterbildungslehrgängen, im Haus der Luftsportjugend, habe ich beim Bespannen von kleineren Jugendmodellen den Rat gegeben, zuerst die Oberseite der Fläche zu bespannen und zwar mit der rauhen Seite nach oben, so dass eine gewisse Oberflächenrauhigkeit entsteht, wodurch das Abreißverhalten der Strömung verbessert wird. Anschließend wird die Unterseite bespannt, wobei hier die glatte Seite des Papiers nach außen kommt und hierdurch die Strömung nicht behindert wird. Das Papier wird um die Nasenleiste herum gelegt und bildet dann eine Kante, die als Turbulator wirkt. Bei dem „Amigo“ waren die gefürchteten Strömungsabrisse am Innenflügel beim Kurven nach dieser Maßnahme nie mehr aufgetreten. Ich hatte bei meinen A1- Modellen, trotz Flächentiefe von nur noch 6 cm am Randbogen, noch nie einen Strömungsabriss. Bei größeren RC – Modellen mit einer Flächentiefe von über 18 cm sollte, da die RE – Zahl hier genügend hoch ist, die Gesamtfläche mit der glatten Seite nach außen bespannt werden. Beim Glattstreichen von Papier können Rubbeln entstehen, die später, nach Spannlackanstrich, abgeschliffen werden. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass aus diesem Grunde nicht zu oft über das Papier gestrichen wird.
Ist das Bespannmaterial glatt aufgelegt, können die Klebeflächen mit Spannlack bestrichen werden, aber nur die Klebeflächen, so dass das Material auf dem Flächenrohbau angeklebt wird. Nach dem Ankleben und kurzer Antrockenzeit kann die überflüssige Feuchtigkeit auf der Bespannung mit einem Papier-Küchentuch vorsichtig aufgesogen werden. Wenn die 1 Seite noch nicht ganz trocken, aber bereits angetrocknet ist, wird die andere Seite in gleicher Weise bespannt. Nach Trocknung der Bespannung wird der aufgetragene Spannlack weiß sein, was durch die Feuchtigkeit erfolgt ist. Spannlack wird immer weiß, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, oder auch wenn das Verdünnungsmittel ungeeignet ist. Ich persönlich verwende nur den Clou Spannlack in Verbindung mit der entsprechenden Clou – Spannlack – Verdünnung. Bei entsprechend geringer Luftfeuchtigkeit ist nach dem 1. Spannlackanstrich wieder alles klar.
Ich habe hierzu, beim 1. Gesamtspannlackanstrich am 25.01.2010 die jeweiligen Temperaturen und Feuchtigkeitswerte notiert: Außentemperatur: -5,7 Grad, leichter Schneefall, Innentemperatur der Werkstatt: 16,9 Grad, Luftfeuchte der Werkstatt: 39 %. Nach dem ersten Spannlackanstrich waren sämtlich weiße Stellen auf der Bespannung verschwunden.
Probleme bereiten im Regelfall die hohlen Unterseiten von Thermikprofilen, da hier das Ankleben der Bespannung oft nicht gelingt. Hier muss dann nachgeklebt werden. Hierzu wird nochmals Spannlack an die Klebefläche angegeben und mit dem Finger angerieben. Klebt die Bespannung dann immer noch nicht, kann nochmals Spannlack aufgestrichen und eine kleine Raupe Hartkleber aufgetragen werden, der dann mit dem Finger eingerieben und so lange gehalten wird, bis die Bespannung ordnungsgemäß verklebt ist.
Diese Methode funktioniert bei Nylon – Gewebe nicht, Hier muss das Gewebe mit einem Kleber aufgeklebt werden, da das Material nicht so flexibel wie Seide ist. Dieser Kleber muss selbst hergestellt werden und besteht aus 1 Teil unverdünntem Spannlack und 1 Teil Hartkleber, wie UHU – hart und das Bespannmaterial muss bis zur Verklebung festgehalten werden.
Schwierigkeiten mit der Bespannung hatte ich mit Gewebe bei rautenförmigen Bespannfeldern, wie dies bei stark gepfeilten Flügeln, sei es positiv oder negativ, der Fall ist. Hier war das Gewebe nach Trocknung der Bespannung glatt, aber nach jedem Spannlackanstrich waren die Wellen größer. Vermutlich ist dies auf die Struktur der Gewebe, die 2 genau gleiche Laufrichtungen haben, zurück zu führen. Ich musste die Bespannung wieder entfernen und erst das aufgebrachte Vlies ergab eine ordnungsgemäße Oberfläche, so dass ich bei den nächsten Modellen gleich auf Vlies zurück gegriffen habe.
Nach dem Trocknen der aufgebrachten Feuchtigkeit auf der Fläche müsste die Bespannung bereits absolut glatt gespannt sein, so dass der erste Spannlackanstrich der Gesamtfläche erfolgen kann. In einigen Verarbeitungshinweisen für Polyestervlies wird darauf verwiesen, dass die Bespannung, sollte sie einmal, nach dem Trocknen, nicht glatt sein, diese mittels Bügeleisen oder Föhn gespannt und somit geglättet werden kann. Von dieser Maßnahme musste ich bisher noch nie Gebrauch machen, da bei mir bisher die Flächen, nach Abtrocknen, immer einwandfrei gespannt waren und ich daher, in dieser Richtung, keinerlei Erfahrung besitze.
Beim ersten Anstrich ist der Pinsel sehr vorsichtig zu führen, bei Papier und Vlies können bei zu festem Druck Dellen entstehen, die bleibend sind und bei Seide kann der Spannlack durch die vorh. Poren nach innen gedrückt werden. Der Spannlack sollte bei dem ersten Anstrich etwas verdünnt werden, wobei dieser dann, je nach Verdünnung, mehr oder weniger stark spannt. So muss bei kleinen, leichten und filigranen Modell, wie z.B. Peanuts oder Walnuts, der Spannlack stark verdünnt werden um die entstehende Spannung in Grenzen zu halten, sonst würde die Bespannung das gesamte Modell verziehen. Bei Modellen mit Rippen aus 1,5 mm oder gar nur aus 1 mm Balsa, ohne Aufleimer, ist hier ebenfalls Vorsicht geboten.
Bei meinen A1 und A2-Modellen habe ich zuerst eine Lage Polyestervlies aufgebracht. Da das Polyestervlies relativ flexibel ist, habe ich nach dem 1. Spannlackanstrich eine Lage aus Papier aufgebracht und hierdurch wesentlich verdrehsteifere Tragflächen bekommen, wobei das Papier aufgelegt und angefeuchtet und dann mit Spannlack gestrichen wird. Diese Methode wende ich heute auch bei größeren RC - Modellen, auch mit 4 m Spannweite, an, wobei ich bei den A1 - Modellen 12 Gramm Papier aufgelegt habe, bei den RC - Modellen jedoch 21 Gramm Papier verwende.
Das Trocknen der Flächen nach dem jeweiligen Spannlackanstrich erfolgt auf einer Helling, wobei die Flächen vorne und hinten auf etwa 1,5 cm starke Leisten befestigt werden. Hierdurch kann auch die Unterseite abtrocknen, da eine Durchlüftung möglich ist und das Fixieren ein Verziehen der Flächen verhindert. Die frisch gestrichenen Flächen müssen vor dem Befestigen auf der Helling natürlich etwas abtrockenen um das Ankleben zu verhindern. Nach dem Trocknen des ersten Spannlackanstrichs können die überstehenden Reste der Bespannung mit einem Schleifklotz abgeschliffen werden. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass das Schleifmaterial noch genügend Schärfe hat. Die Fläche kann nun mit scharfem 180 er Glaspapier vorsichtig geschliffen werden, wobei darauf zu achten ist, dass an den Rippen nicht durchgeschliffen wird. Nach dem letzten Anstrich sollten die Flächen noch mehrere Tage auf der Helling verbleiben um wirklich absolut austrocknen zu können. Vor dem Lackieren werden die Flächen mit 320 er Nassschliffpapier nochmals vorsichtig überschliffen.
Für die Tragflächen größerer Modelle genügen 2 bis 3 Anstriche. Papiermodelle sollen über die gesamte Fläche ein seidiges Aussehen haben. Bei Seide sollen alle Poren geschlossen sein. Insbesondere bei Seide kann es möglich sein, dass nach dem Anstrich mit Spannlack die Oberfläche nicht mehr ordnungsgemäß gespannt ist. Hier kann es vorkommen, dass es sogar einige Tage dauert, bis die Seide wieder straff ist. Aus diesem Grunde muss nach jedem Anstrich der Spannlack sehr gut trocknen.
Die Flächen können, nach Abtrocknung des vorletzten Anstrichs mit 180er Schleifpapier leicht und sehr vorsichtig abgeschliffen werden. Hierbei darf jedoch die Bespannung nicht durchgeschliffen werden, was sehr schnell an den Rippen erfolgen kann. Dass es trotz aller Vorsicht und exaktem Arbeiten zu Verzügen kommen kann, ist nicht immer auszuschließen, jedoch können diese mittels Hitze wieder entfernt werden. Früher geschah dies über dem heißen Ofen, jetzt kann man einen Heizlüfter oder Heißluftföhn dazu benutzen. Zuerst wird das Flächenteil vorsichtig erwärmt, dann wird es etwas gegen die Verzugsrichtung überdreht und gehalten bis das Teil erkaltet ist. Im Normalfall sollte dann der Verzug draußen sein. Sollte dies nicht der Fall sein, muss das Ganz nochmals gemacht werden. Bei dem Erhitzen kann es vorkommen, dass sich ein bespanntes Feld durch die Wärme aufbläht und kissenförmig dick wird. Dadurch dehnt sich die Bespannung und das Feld ist später nicht mehr ordnungsgemäß gespannt. Dies entsteht nur bei Feldern, die absolut dicht sind, durch Ausdehnung der erwärmten Innenluft. Ich habe hier vorher Löcher in die Bespannung gestochen, so dass der entstehende Druck entweichen kann, was bisher geholfen hat.
Beim Lackieren des Modelles muss darauf geachtet werden, dass kein Lack mit einem Verdünnungsmittel eingesetzt wird, welches den Spannlack anlöst, also keine Lacke mit Aceton- Nitro- oder Universal-Verdünnung, sondern nur Lacke mit Terpentin oder aber Wasserlacke.
Wenn Lacke den Spannlack anlösen, ist die ganze Mühe mit dem Aufspannen auf eine Helling und dem anschließenden Trockenen umsonst gewesen. Das Gleiche gilt auch für das Entfernen eventueller Verzüge.
Im Flugbetrieb entstehende Risse in den Flächen können bei Papier- oder Vliesbespannung, auch wenn diese mit Überzugslack behandelt sind, einfach mit einer Raupe aus Hartkleber beseitigt werden, da dieser Kleber eine zusammenziehende Wirkung hat. Bei einem Riss in der Seide oder im Nylongewebe muss, sollte ein Überzugslack vorhanden sein, dieser mittels Spannlackverdünnung oder Aceton entfernt, und anschließend ein Flickstück mittels Spannlack aufgeklebt werden
Nun noch eine Anleitung zum Bespannen des Modells „Adler“ von 1952:
Bespannen:
Zum Bespannen verwenden wir 40gr Diplom- oder Flumopapier und Glutofix. Das Glutofix rühren wir so dick an, dass der Pinsel stehen bleibt. Die Faserrichtung des Papiers muss in Holmrichtung verlaufen. Erst werden die Flügelunterseiten aus 2 Teilen bespannt, Bei der Oberseite ist dasselbe zu machen. Nach dem Bespannen wird das ganze Modell mit einem Schwamm oder Lappen nass gemacht. Dabei ist zu achten, dass die Kartonnase nicht nass wird ansonsten der Karton faltig wird. Das Modell wird eingespannt und trocknen gelassen. Ein bis zweimal mit Spannlack überstreichen, wieder einspannen und trocknen lassen. Das ganze Modell einmal mit Überzugslack überziehen. Ein kleiner Verzug lässt sich über Dampf ausgleichen.
In der FMT 7/2001, Seite 86, steht in der Bauanleitung des Nurflügel-Modelles "Stini 1" folgende Anleitung zum Bespannen von Flugmodellen:
Der Rohbau wird nun sauber verschliffen. Alle Kanten an den Rippen und Beplankungsteilen werden gebrochen, sonst reißt später die Bespannung an diesen Stellen. Die Sperrholzbeplankung am Flügelanschluss wird gut mit Spannlack imprägniert. Den ganzen Flügel bespannen wir zunächst mit feinem Papier, das wir mit mehreren Spannlackanstrichen wetterfest machen. Dann legen wir Seide mit 3 cm Übermaß an den Rändern trocken auf die Papierbespannung auf. Mit einem weichen Pinsel wird dünner Glutofix von der Flächenmitte nach außen auf die Seide aufgebracht. Dann wird reichlich Wasser aus einem Zerstäuber aufgespritzt, bis die Seide auf der Papierbespannung schwimmt. Mit einem weichen Lappen sorgfältig zu den Rändern hin streichen, bis alle Blasen und Falten verschwunden sind und die Seide an den Rändern straff ziehen.
Das geht solange, bis die Seide fast trocken ist. Die Ränder werden anschließend mit wenig Spannlack fixiert, damit sich die Seide bei zunehmender Spannung nicht vom Papier löst. Die weißen Stellen, die dabei entstehen, verschwinden bei den nachfolgenden Spannlackanstrichen von selbst. Das Ganze gibt eine leichte und sehr feste Bespannung. Die Flügel müssen unbedingt beim Trocknen des Spannlackes auf dem Baubrett festgespannt werden. Zwölf Stunden Trockenzeit zwischen den Anstrichen einhalten. Die Flügel jeweils erst dann auf das Baubrett legen, wenn die frisch lackierte Seide sich trocken anfühlt, aber noch nicht gespannt ist. Die Bespannung bleibt sonst am Baubrett kleben.
Bei dieser Art des Bespannens gab es Probleme, auf der Flächenunterseite, mit den damals sehr hohlen Hochauftriebsprofilen und den sehr schmalen Klebestellen auf dem 1mm Sperrholz der Rippen. Aus diesem Grunde wurden bei größeren Flächentiefen meist mehrere Hilfsholme angeordnet um die Bespannung entsprechend ankleben zu können. Ferner führte der Kleber im Bereich der Klebestellen zu Rändern, die nicht mehr zu entfernen waren und bei Modellen, welche farblos lackiert waren, nicht gerade gut aussah.
Nachwort: Es ist schön, dass es Spannlack fertig zu kaufen gibt. In meiner Jugend bin ich noch mit dem Fahrrad von Kino zu Kino gefahren und habe um die übrig gebliebenen Zelluloid – Filmstücke, bei Filmrissen, gebeten, die ich dann in Aceton aufgelöst und anschließend mit einem dünnen Tuch die Silber – Beschichtung ausgefiltert und das Ganze dann als Spannlack genutzt habe, was sehr gut funktionierte. Erst etwa Anfang der 50iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts konnte ich Spannlack käuflich erwerben. Bei meinen ersten Modellen habe ich noch Filmreste als Spannlack verwendet
Auflistung der Bespannmaterialien:
Papier: 12; 17 und 21 Gramm/m². Dieses Material hat die Fa. Graupner im Katalog aber lediglich noch in der Farbe weiß. Früher gab es das Material in allen Farben und kann noch auf Flohmärkten erstanden werden.
Vlies: Polyestervlies ist in verschiedenen Stärken erhältlich: 20; 25 und 30 Gramm/m²
Das 30 Gramm Vlies ist noch mit Längsstreifen verstärkt. Derzeit kenne ich für dieses letztgenannte Vlies keinen Händler. Die beiden anderen Qualitäten sind im örtlichen Fachhandel, bzw. über Versandhändler erhältlich
Seide: 20 und 28 Gramm/m² Dieses Material gibt es bei Hobbygeschäften, die Material für Seidenmalerei führen, am laufenden Meter. Die 20 Gramm – Seide hat Graupner, in Bögen abgepackt, seit 2009 wieder im Programm.
Nylongewebe: 22 und 40 Gramm/m². Dieses Material ist derzeit nicht im Handel erhältlich. Auf dem Flohmarkt in Homburg -Erbach 2008 konnte ich von dem 40 Gramm Material noch 2 Packungen erwerben, jedoch zu einem weitaus höheren Preis als es früher einmal kostete.
Nun noch einige Betrachtungen zum Thema Gewebe. Beim Kauf von unbekannten Materialien, in Handarbeitsläden, sollte in jedem Fall zuerst eine Stück als Probe gekauft werden. Mir ist es bereits vorgekommen, dass ich mir Naturseide in einem Bastelgeschäft, mit Modellbauabteilung, gekauft habe, die nach dem Aufkleben bei jedem Spannlackanstrich labbriger und faltiger wurde, obwohl diese nach Aufbringen und Abtrocknen sehr schön gespannt war. Ich musste die komplette Bespannung wieder mittels Verdünnung anlösen und herunter nehmen. Warum dies so war, ist mir bis heute nicht bekannt. Aus diesem Grunde empfehle ich beim Kauf von unbekannten Bespannmaterialien zuerst eine Probe auf einem Holzrahmen auszuprobieren. Hierzu habe ich mir einen Rahmen in der Größe von 20 x 30 cm, mit 5 Zwischenstäben gemacht, so dass ich hier 6 Felder in der Größe con etwa 5 x 20 cm erhielt. Diesen Rahmen habe ich mit Zaponlack gestrichen, so dass ich hier das Material, wie bei dem Modell, aufkleben und so eine entsprechende Probe durchführen kann, bei der sich die Spannwirkung beobachten lässt. Die angesprochenen Probleme hatte ich bisher nur bei Seide. Nylongewebe zeigte dies bisher noch nie, wobei ich jedoch sagen muss, dass das von mir verarbeitete Nylongewebe jeweils von größeren Modellbaufirmen vertrieben wurde.

Rahmen zum Überprüfen von Bespannmaterial. Der rechteckige Rahmen simmuliert eine Fläche ohne Pfeilung, der rautenförmige Rahmen eine Fläche mit Pfeilung.
Zum Abschluss noch etwas zu den Gewichten und zur Stabilität. Die nachfolgend, rein theoretischen Berechnungen habe ich auf der Grundlage der von mir konstruierten GK 92, einem RC – Segler mit einer Spannweite von 2900 mm, durchgeführt. Dieser Segler ist mit einer oberen und unteren Nasenbeplankung (D-Box) versehen. Die Endleiste besteht aus 2 Brettchen 1,5 mm Balsaholz mit 25 Gramm Matten Glasseide. Der Wurzelbereich ist voll beplankt und mit ein er 49 Gramm Matte belegt. Die Rippen sind oben und unten mit 5mm breiten Aufleimern versehen.
Die Gesamtfläche der beiden Flächenhälften, ohne das Mittelstück am Rumpf, beträgt 0,655 m².
Vollbeplankung:
Bei Vollbeplankung der Fläche würde dies mit 1,5 mm Balsaholz, mit einem spezifischen Gewicht von 0,1 und einem 25 Gramm Glasseidegewebe, erfolgen. Nach erfolgter Aushärtung des Harzes und Abschleifen der gesamten Fläche wird nochmals ein dünner Epoxydharzanstrich ausgeführt, so dass das Verhältnis Glas zu Epoxydharz mit 1 : 1,5 angenommen wird. Somit ergibt sich folgendes Gewicht: Balsa 150 gr/m², Glasseide: 25 gr/m², Epoxydharz: 37 gr/m², Summe: 212 gr/m². Zur Verbesserung der Drehsteifigkeit der Flächen sollte das Glasseidengewebe diagonal aufgebracht werden, was ich bisher nur bei F3B und F3J – Modellen, als ich diese noch aus Holz herstellen konnte, gemacht habe. Bei allen anderen Modellen war mir der Verschnitt zu hoch und es hat für die Zwecke auch genügt. Das Gewicht dieser Vollbeplankung, oben und unten, beträgt 278 Gramm, wobei die Unterkonstruktion mit Hauptholmen,Stegen, Nasenleiste, und Rippen nicht berücksichtigt ist, da diese auch bei allen nachfolgend aufgeführten Berechnungen gleich ist und ebenfalls unberücksichtigt bleibt.
Beim Bespannen der Modelle muss mit einer härteren Beplankung der Nase gerechnet werden, wobei hier ein spezifischen Gewicht von 1,3, also 20 Gramm pro 1,5 mm Brettchen, zu Grunde gelegt wird. Die Endleiste wird mit Glasseide und Epoxydharz belegt, was auch für den Wurzelbereich gilt. Die beplankte Fläche beträgt bei dem Modell 0,284 m², also 43,36 % der Gesamtfläche. Bei der Gewichtsberechnung der Bespannung ist die Gesamtfläche von 0,655 m² in die Rechnung eingeflossen, da diese Fläche bespannt wird.. Die Teilbeplankung hat ein Gewicht von 114 Gramm.
Vliesbespannung mit Papierverstärkung:
Vlies 24 gr. Plus Papier 21 gr. = 45 Gramm, zuzüglich Spannlack:40 Gramm.
Gesamtgewicht also 85 gr./m², ergibt ein Gesamtgewicht, einschließlich Teilbeplankung: 225 Gramm.
Nylongewebe 40 gr/m²:
Gesamtgewicht: 218 Gramm.
Seide 24 Gramm oder Vlies 24 Gramm:
Gesamtgewicht: 177 Gramm,
wobei das Vlies um einige Gramm leichter sein kann, da etwas weniger Spannlack benötigt wird.
Reine Papierbespannung wurde hier nicht berechnet, da eine solche Bespannung für diese Modellgröße nicht ausreichend ist.
Stabilität der Bespannung:
Von den vorgenannten Oberflächen hat natürlich die Vollbeplankung mit Glasseidenverstärkung die höchste Stabilität, auch in Puncto Drehsteifigkeit.
Die Vliesbespannung mit aufgelegtem 21 Gramm Papier ist in der Drehsteifigkeit dem Nylongewebe überlegen, jedoch ist die mechanische Festigkeit gegenüber eindringenden Aststücken bei Baumlandungen bei Nylongewebe wesentlich höher.
Bei Seide 24 Gramm oder Vlies ist die Drehsteifigkeit schlechter als bei den vorgenannten Materialien, wobei Vlies in dieser Richtung das schlechteste Material ist, da es sich um einen Polyester handelt. Gegen eindringende Äste ist die Seide unempfindlicher als Vlies.
Papierbespannung ergibt relativ drehsteife Flächen, jedoch weist das 12 Gramm Material bereits bei Landungen im Stoppelfeld Löcher auf. 21 Gramm Papier ist hier etwas besser.
Während meiner Zeit als aktiver Freiflieger und Dozent bei Lehrgängen musste ich immer eine gewisse Anzahl von verschiedenen Bespannpapieren vorhalten und diese Überzahl biete ich derzeit unter "Gebrauchtmarkt" zum Kauf an.