Flugmodellbau
  Saalflug
 
 
Zum Saalflug kam ich, weil ich Anfang der 70iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Sulzbach, meiner Heimatstadt, eine Ausstellung plante. Ich versuchte dabei einige Auflockerungen ein zu bringen um keine absolut statische Ausstellung zu erhalten. So plante ich neben dem Aufsteigen von Heißluftballonen mittels Föhn, den aerodynamischen Vorführungen, Fesselflug auf dem Tisch von den Besuchern gesteuert, Vorführungen eines Skelett – RC – Modelles zur Demonstration der verschiedenen Steuerfunktionen, auch das Fliegen von Saalflugmodellen. Da keiner über diese Modelle Bescheid wusste, bat ich den damaligen Freiflugreferenten und A-Kader-Flieger in der Klasse F1D, Alfred Klinck, einen entsprechenden Lehrgang für die nationale Klasse TH (Turnhallenmodelle) durchzuführen. Dieser Lehrgang wurde zu einem Erfolg, da mehr als das Doppelte an vorgesehenen Teilnehmern und diese noch aus einem größeren Gebiet der Bundesrepublik kamen. Alfred Klinck hat das alles souverän gemanagt. Die Vorführungen während der Ausstellung wurden zu einem Erfolg. Da ich dann schon einige Modelle der Klasse TH hatte und Alfred Klinck eine Landesmeisterschaft in dieser Klasse organisierte, habe ich auch daran teilgenommen und, wie üblich, den 2. Platz errungen. Dann habe ich bei diesen Wettbewerben öfters teilgenommen, auch auf mehreren Deutschen Meisterschaften in der Dortmunder Westfalenhalle, wobei ich 2 x den 4. Platz belegen konnte. Als ich vom Deutschen Aero - Club mit der Organisation des Standes und des Programmes der RMF (Renn- Motor- und Flugsport) 1982 in Friedrichshafen betraut wurde, habe ich auch dort entsprechende Flugvorführungen eingeplant und mir den bekannten F1D-Flieger Kurt Vogler, mit ins Boot genommen. Da Kurt Vogler nur F1D – Modelle hatte, baute er die Vorführ-Modelle nach meinen Plänen nach, so dass immer etwa 10 Modelle der Klasse TH bei den Ausstellung vorhanden waren. Mitte der 80 iger Jahre zeigte sich bei der 3 tägigen RMF, dass diese Anzahl noch zu niedrig war, denn dort waren die Modelle am letzten Nachmittag alle aufgebraucht. So gingen Modelle zwischen den Standrückwänden und der Hallenwand oder zwischen den Stellwänden der einzelnen Stände verloren. Ein Modell wurde in der Luft regelrecht zerrissen, als es flog und die Ventilatoren der Warmluft-Heizung eingeschaltet wurden. Andere Modelle gingen zu Bruch als ältere, sehr erfahrene Modellflieger, entgegen unseren Zurufen, die Modelle mit den Händen fingen oder ein Modell, wie einen Balsagleiter, zu uns werfen wollten. Ein Modell wurde von einem unachtsamen Besucher mit den Füßen zertreten. Zwei Modelle gingen zu Bruch, als Besucher Modelle, trotz gegenteiliger Zurufe, aufhoben und uns schnell weitergeben wollten. Ähnliche Erfahrungen musst ich auch auf anderen Ausstellungen, wie in Stuttgart, Frankfurt oder auch Dortmund machen. Gegenteilige Ergebnisse gab es bei den Bundesjugendtreffen der Deutschen Sportjugend in Goslar, Marburg und Ratzeburg. Hier hörten die Jugendlichen exakt auf entsprechende Zurufe und auf allen 3 Veranstaltungen zusammen, ging nur 1 Modell zu Bruch.

Für die Ausstellungen waren diese Modell hervorragend geeignet, da sie mit einer Maximalspannweite von 35 cm sehr gut zu transportieren und bei einem Minimalgewicht von 2 Gramm, relativ gesehen, sehr robust waren. Ferner durften keine hohlen Bauteile verwendet werden und es waren keinerlei Abspannungen zulässig.Als Bespannung musste Kondensatorpapier verwendet werden. Somit waren die Modelle recht schnell zu erbauen und flogen bei Ausstellungen, in einem optimalen Zeitrahmen. So wurde von uns für einen Flug eine Zeit von etwa 3 Minuten anvisiert, da bei längeren Flügen einige Zuschauer bereits zu Langeweile tendierten und weiter gingen. Hierdurch entfiel die Aufmerksamkeit für das Modell und bei einer Landung kann es hierdurch zu Modellbeschädigungen kommen. Bei Flügen von unter 3 Minuten schauen alle Besucher recht gespannt und jeder verfolgt den Flug des Modelles sehr aufmerksam. Da ich recht viele Modelle baute, kann ich sagen, dass kein Modell dem anderen, in Bezug auf die Leistung gleicht. Bei 6 gebauten Modellen gibt es gut fliegende und weniger gut fliegende Modelle, obwohl diese auf den gleichen Helling, mit den gleichen Materialien und in der gleichen Art gebaut wurden.Das Gleiche gilt für die Luftschrauben, die ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen, obwohl auch diese aus dem gleichen Brett, gleich dick geschliffen, auf der gleichen Helling getrocknet und ebenfalls in ein und derselben Helling zusammen geleimt wurden. Bei den Modellen wurden die gut fliegenden Modelle natürlich für Wettbewerbseinsätze vorgesehen. Bei den Luftschrauben wurden diejenigen mit dem höchsten Vortrieb bei geringster Drehzahl ebenfalls für Wettbewerbseinsätze reserviert. Luftschrauben mit größerer Drehzahl und hohem Vortrieb wurden für Ausstellungen verwendet, da diese Luftschrauben einen höheren Anfangszug besitzen, so dass die Modelle hierdurch schneller aus dem Zuschauer und Standbereich, nach oben heraus kommen, denn die gewünschte Flugzeit von 3 Minuten wird in jedem Fall erreicht, allenfalls durch. Reduzierung der Antriebsgummi – Aufdrehzahl.


 

Die nachfolgend gezeigten Hellings, Hilfsgeräte und Werkzeuge, zur Herstellung der Saalflugmodelle, stammen alle aus den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ich hoffe, dass diese Dinge nicht nur für Nostalgiger interessant sind, sondern, dass einige Teile, auch heute noch, nachbauenswert sind. Hierzu muss ich betonen, dass alle Teile selbst hergestellt sind. Diese Teile sind relativ grob gearbeitet. Die Spezialisten der Klasse F1D, benutzen Teile, die wesentlich feiner und graziler hergestellt wurden.

Meine Aktivitäten in diesem Bereich endete Mitte der 90iger Jahre mit einer Operation die mir den Gleichgewichtsnerv zerstörte und ich hierdurch gravierende Gleichgewichtsstörungen bekam, so dass ich nicht mehr nach oben sehen konnte, ohne gleich um zu fallen, was auch meine Freiflugaktivitäten, schlagartig, beendete.


Nun, meine Hilfsgeräte und Werkzeuge, welche ich mir zur Herstellung der Saalflugmodelle selbst gebaut habe:



Walzenschleifmaschine. Mit dieser, durch eine Bohrmaschine, angetriebene Walzenschleifmaschine kann Balsaholz bis zu 0,5 mm Stärke geschliffen werden. Neben der Schleifmaschine ist eine Walze mit einer groberen Körnung und eine Walze zum Schleifen eines "Standard"-Profiles, hier das Profil für den Freiflugsegler "Junior" von Graupner. 




Schneidevorrichtung für sehr schmale Leisten. Die beiden Einstellräder sind mit Schrauben M6 verbunden, so dass eine Umdrehung genau 1 mm entspricht. So kann das Balsaholz geschnitten werden unjd beim Eindrehen der Schrauben kann somit auf einen Bruchteil eines mm genau eingestellt werden. Bei dem Messer ist darauf zu achten, dass dieses sehr scharf und schmal ist, damit nicht das Messer wie ein Keil wirkt und das Holz beim Schneiden einreißt.



Vorrichtung zum Schneiden der Profilrippen mit verschiedenen Schablonen


 
Verschiedene Rippenschablonen für Tragfläche und Höhenleitwerk



Waage zur Verwiegung der einzelnen Bauteile. Diese Waage besteht aus 0,3 mm Stahldraht und hat einen Bereich bis 200 mg.




Diese Waage hat einen Stahldraht von 0,5 mm und einen Bereich bis 1700 mg.




Hier ist ein Stahldraht von 0,8 mm eingebaut und die Waage hat einen Bereich bis 4250 mg.





verschiedene Gewichte Im Vordergrund von links: 10mg, 100mg, 500mg,1000mg und 2000 mg.
Die kleinen Gewichte wurden aus 2,0 mm Alurohr hergestellt. Hier wurden 10 Stück ganze Alurohre auf einer Waage mit 28 Gramm ermittelt, so dass 100 cm 2,8 Gramm wogen, und 36 cm: 1 Gramm war und so die kleinen Gewichte ermittelt werden konnten. Aus diesen kleinen Gewichten wurden dann die anderen Gewichte analog ermittelt. Schwerere Gewichte, ab 1000mg sind aus Messingrohr hergestellt.




Balkenwaage mit einer sehr hohen Genauigkeit. Im Vordergrund ein Balken mit der Übersetzung von 3 : 1, so dass noch genauere Wägungen durchgeführt werden können.



Verschiedene Hellings zum Bau der Tragflächen.




 Verschiedene Hellings für Höhenleitwerke.



Verschiedene Hellings für Seitenleitwerke.



Wanne zum Wässern der Bauteile.



Schablonen aus Kiefer zur Herstellung der Rümpfe.



Unterschiedliche Leimangeber mit verschiedenen Stiftdurchmessern, von 0,3 mm bis 1,5 mm..




Verschiedene Luftschraubenformen



Verschiedene Schablonen für Luftschrauben.



Verschiedene Hellings zum Trocknen der Luftschraubenblätter.



Vorrichtung zum Anleimen der Luftschraubenwelle an den Steg der Luftschraube. Hierzu wird der in der Mitte gelochte Stegt eingelegt und die vorne abgewinkelte Luftschraubenwelle in das Loch eingeschoben und anschließend auf der Oberseite verklebt. Hierdurch ist eine exakte Klebung der Welle möglich.



Vorrichtung zum Anleimen der Luftschraubenblätter an den Steg. Hierzu wird der Steg mit der Welle in die in der Mitte vorhandenen Vorrichtung eingelegt und die Welle mit 2 Stecknadeln justiert. Das Blatt wird auf den Steg aufgeschoben und auf der Halterung befestigt und dann angeleimt. Anschließend kommt das andere Blatt. Die Halterung des Blattes ist nicht fest eingebaut, so9ndern kann, je nach Steigung an anderer Stelle befestigt werden. Im Hintergrund liegen weitere Halterungen mit anderen Winkeln.




Auswiegevorrichtung für Luftschrauben. Beiderseits des Schlitzes sind oben, bzw. unten, angeschliffene Metallplättchen angeschraubt. Die Luftschraubenwelle wird durch den Schlitz geschoben und dann kann die Luftschraube auspendeln, wobei das schwerere Blatt nachbearbeitet werden muss.



Prüfgerät für Luftschrauben.  Das Gerät ist mit 2 Nylonschnüren an der Decke aufgehängt und kann so entsprechend pendeln. Bei diesem Prüfgerät kann der Vortrieb, das Gegendrehmoment und die Drehzahl festgestellt werden. Der Vortrieb kann an dem unterhalb stehenden in cm geeichten Ständer abgelesen werden. Das Gegendrehmoment ist an der, oberhalb des Ständers am Prüfgerät angebrachten Skala in Grad ablesbar. Die Drehzahl wird mit einem berührungslosen Drehzahlmesser geprüft. Alle Teile können mittels Muffen auf dem Hauptrohr verschoben  und mittels Schrauben arretiert werden. Somit kann der Hakenabstand für das Gummi entsprechend dem Modell eingestellt werden. Wenn eine Luftschraube geprüft werden soll, wird diese wie bei einem Modell eingehangen und ein entsprechendes Antriebsgummi eingebaut. Während des Ablaufens des Gummis kann so, etwa alle Minute, der Vortrieb, das Gegendrehmonemt und die Drehzahl abgelesen und aufgeschrieben werden. Nach Ablauf kann ein Diagramm gezeichnet werden. Hierbei zeigt sich, dass keine Luftschraube so ist wie die andere, obwohl diese aus dem gleichen Material geschnitten, in jeweils der gleiche Form getrocknet und zusammengebaut sind. Es kann vorkommen, dass von 10 gebauten Luftschrauben einige vollständig unbrauchbar, andere aber top zum Einsatz bei Wettbewerben sind, der Rest liegt dazwischen. Für den Einsatz bei Ausstellungen bevorzuge ich die Luftschrauben mit hohem Vortrieb und gleichzeitig hohen Drehzahlen, so dass das Modell möglichst schnell aus dem Bereich der Zuschauer und Stände heraus kommt. Dann fliegt es einige Runden und kommt im Regelfall mit total abgelaufenem Antriebsgummi wieder herunter. Dies ist jedoch für einen Wettbewerb nicht akzeptabel. Hier muss eine Luftschraube gewählt werde, die einen relativ hohen Vortrieb, bei gleichzeitig geringer Drehzahlen aufweist.



Das Prüfgerät von vorne gesehen.



Der Antriebsgummi kann durch einen Elektromotor ersetzt werden. Der Graupner-Micromotor, mit angeflanschtem Getriebe, ist hier in einer Aluschale eingeklemmt und kann auf das Hauptrohr aufgeschoben und angeklemmt werden. Bei Gummiantrieb ist anstelle des Motors ein Gewicht eingebaut, das entsprechend Motor und Getriebe ist, so dass das Gewicht der Gesamtanlage gleich ist und die Werte vergleichbar sind. Neben dem Antrieb liegen weitere 2, unterschiedliche Getriebe und anders geartete Halterungen.



Hier ist als Antrieb der Motor eingebaut. Mittels Regler, an dem ein Voltmeter und ein Amperemeter eingebaut ist, kann die Drehzahl verändert werden. Bei gleicher Luftschraube, wie bei dem Gummiantrieb kann somit an Hand der Leistungen die jeweilige Wattzahl, die für den jeweiligen Vortrieb erforderlich ist, rekonstruiert werden. Dadurch ist es möglich, die Wattleistung der verschiedenen Gummiarten zu ermitteln und auch die jeweilig am besten passende Luftschraube bestimmen. Da es sich bei diesem Prüfgerät jedoch nicht um eine optimale Feinmechanik handelt sind nur Vergleichswerte möglich, die jedoch einen sehr guten Anhaltswert bieten. Ferner sind die Werte nur im Standbetrieb ermittelt, was ebenfalls noch Ungenauigkeiten mit sich bringt. Im Vordergrund ist die cm-Skala zur Ablesung des Vortriebes und rechts ist die Grad-Skala zur Ablesung des entstehenden Gegendrehmomentes zu sehen. Somit kann bei jeder Luftschraube, bei der jeweils eingesetzten elektrischen Leistung, der Vortrieb, das Gegendrehmoment und die Drehzahl ermittelt  und in einem Diagramm eingetragen werden um so die optimale Luftschraube zu erkennen. Ich habe öfters Dutzende von Luftschrauben aus dem gleichen Material in Serie gebaut und alle Luftschrauben zeigten andere Leistungen, von absolut unbrauchbar bis optimal.
 


Das Prüfgerät mit Motor von der Seite.



Detail Motor.




Halterung für TH-Modelle. Wenn der Schieber mit den runden Scheiben nach oben geschoben wird klemmt dieser die beiden Haltebacken zusammen, so dass dort der Rumpf eingeklemmt werden kann.




Die Antriebgummis sind einzeln in schwarze Folientüten abgepackt. Auf den Tüten ist die Größe, die Strangzahl und die Einsatzdaten vermerkt.



Aufziehvorrichtung für das Gummi. Der Aufzieher kann in der Hand gehalten werden, aber auch an einem Tisch befestigt werden.




Drehmomentmesser für das Antriebsgummi für bis zu  38cmp (1 Umdrehung). Die eigentliche Messeinrichtung besteht aus einem 0,3 mm Stahldraht, welcher verdreht wird. Die Skala wird mittels eines Hebels und angehängten Gewichten geeicht. Bei größeren Drehmomenten kann die Länge des Drahtes verkürzt oder ein stärkerer Daraht eingesetzt werden.



So sieht das fertige, einsatzbereite Modell aus.




So sah eine Saalflugkiste in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aus. Jeder Teilnehmer an deiner DM legte Wert darauf, dass auch sein Verein auf allen Kästen verewigt war.



Das Innere des Kastens, die Rümpfe und Tragflächen in den jeweiligen Haltevorrichtungen.




Der Kastendeckel mit den verschiedenen Luftschrauben.



Peanut und Walnut-Modelle gehören auch zum Saalflug.Hier der Rohbau eines Peanut-Modelles im Größenvergleich zu einer Streichholzschachtel.


Da ich, wie bereits erwähnt, aus gesundheitlichen Gründen keinen Saalflug mehr betreiben kann, verkaufe ich das noch vorhandenen Material an Kondensatorpapier und das Bespannpapier für Peanuts und Walnuts unter der Rubrik "Gebrauchtmarkt"




 
 
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