Flugmodellbau
  Schwierigkeiten
 

Jugendarbeit im Modellflug 2016

 

In der letzten Zeit wird immer wieder das geringe Interesse der Jugendlichen am Modellflug bemängelt und der Nachwuchsmangel in den Vereinen beklagt.
Woran liegt nun das sehr geringe Interesse der Jugendlichen am Modellflug. Meiner Meinung nach sind hier sehr viele Faktoren ausschlaggebend, wobei ich nachfolgend einige aufführen möchte, die jedoch nicht vollständig sind sondern noch erweitert werden könnten. In der gesamten Aufstellung hätte ich gerne auch etwas Positives aufgeführt, aber leider ist nichts Positives zu erwähnen.
 
 
1. Jugendseiten in Modellbau-Zeitschriften
Früher waren in allen Modellbau-Zeitschriften Jugendseiten vorhanden, die absolut einfachste Modelle präsentierten und entsprechende Bautipps gaben. Diese regelmäßigen Foren fehlen heute vollständig. So sind in den Zeitschriften meist nur noch Superorchideen nach olympischem Motto: „Höher, Weiter, Besser“ enthalten, nichts mehr für Kinder und Jugendliche oder wirklichen Anfängern, die mit einfachsten Mitteln und ohne jegliche Hilfe einsteigen wollen und die dort genannten Preise für die Modelle schrecken eher ab, als dass sie für den Flugsport eine Werbung sind. Die in vielen Zeitschriften vorgestellten „Anfängermodelle“ sind meist für solche Interessenten geeignet, die bereits etwas Modellbauerfahrung besitzen oder in Vereinen Hilfestellung bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass auf Jugendseiten vom einfachsten Papierteil, dass nur eine annähernde Ähnlichkeit mit einem Flugobjekt hat, aber sich irgendwie in der Luft hält, über gefaltete Papierflieger, Pappemodellen mit Holzleisten bis hin zu Depron- oder Balsaholzmodellen alles vertreten ist. Diese Palette könnte von Objekten, die bereits im Kindergartenalter beginnen und bis zum Alter von etwa 12 Jahre reichen und sehr einfach und aus primitivsten Mitteln hergestellt werden können. Ferner könnte ich mir vorstellen, dass dort auch einfachste aerodynamische Versuche gezeigt, die auch von den Kindern durchgeführt und entsprechend erläutert werden. Hierbei denke ich auch an Windräder oder an Papierschlangen die sich über einer Wärmequelle drehen. Durch solche Seiten würde bereits bei kleinen Kindern das Interesse an Flugzeugen geweckt werden.
Ich selbst verschenke des Öfteren Mobiles aus den Modellen "5 aus 1 Brett" von Karl Heinz Denzin an die Eltern von Kleinkindern, welche diese über das Bettchen des Kleinkindes hängen und so das Kind diesen Anblick immer vor Augen hat und fasziniert den sich bei jedem Lufthauch drehenden Modellen nachsieht.
 
2. Modellflug-Ausstellungen
Das Gleiche gilt auch für Ausstellungen. Hier werden Modelle ebenfalls nach dem unter 1. genannten Motto präsentiert, die zum Teil nur zu Ausstellungszwecken schön gebaut aber vollständig flugunfähig sind, da die Grundregeln zum Entwurf nicht beachtet wurden. Nur ganz selten sind bei regionalen Ausstellungen auch Anfängermodelle, oder ein Bereich, wie ein Jugendlicher mit dem Modellflug beginnen kann, zu finden.
 
3. Modellflug-Flugtage
Bei örtlichen Modellflug-Veranstaltungen ist das gleiche Bild. Hier werden Gastflieger mit extravaganten Modellen, zu Vorführungen eingeladen und die Sprecher betonen das Besondere dieser tollen Modelle. Anfänger werden durch diese Werbe-Veranstaltungen jedoch nur erschreckt und kommen zur Erkenntnis, dass das Ganze doch nichts für sie ist. Auch die Eltern interessierter Kinder werden durch diese Schauen erschreckt, da sie sich oft solche Modelle nicht leisten können oder als Probe, ob das Kind beim Modellflug bleiben will, sich nicht diese Kosten erlaubt. Eine Frage nach einfachen Anfängermodellen, beim Veranstalter, wurde mir bereits mehrfach mit der Antwort kommentiert, für diese Modelle interessiert sich doch niemand, nur die Ankündigung von extrem schnellen und kostspieligen Modellen bringen Zuschauer.
Auch bei den örtlichen Medien locken die einfachen Modelle keinen von der Presse mehr hinter dem Ofen hervor. Bei deren Besuch wird sich erst mal nach der absoluten Attraktion erkundigt, was dann natürlich das vom Preis her teuerste Modell ist und das wird dann besonders publiziert und schreckt eventuelle Interessenten gleich ab.
Ein weiteres Problem für die Durchführung von Flugtagen sind die immer weiter restriktiveren Auflagen in Bezug auf Sicherheit, Umwelt und Hygiene, die heute ein Maß erreicht haben, dass eine Veranstaltung oft nicht mehr durchführbar ist.
 
4. Modellflug in der Presse.
Auch ist der Modellflug bei den Umweltschützern nicht gerne gesehen, was man auch als derzeitigen Zeitgeist bezeichnen kann und die Redaktionen der Zeitungen gehen mit der Zeit und schreiben nicht über unpopuläre Dinge wie den Modellflug. Auch werden derzeit im Zuge der Zentralisierung zur Kostenminimierung und gleichzeitig Gewinnoptimierung, die örtlichen Redaktionen zusammengelegt und der jeweiligen lokalen Teile zusammengelegt, ohne die Seitenzahl zu erhöhen, so dass halt eine kleinere Menge an Information weiter gegeben werden kann und nur noch größere Veranstaltungen in den Lokalteilen erscheinen.
Während früher die Reporter zu den Veranstaltungen kamen ist es heute meist Usus, dass der Veranstalter den fertigen Artikel an die Zeitung weiter gibt.
Zu diesem Thema veranstaltete der DAeC früher Presseseminare um hier entsprechende Tipps zu Inhalt und Gestaltung zu geben, wobei die durchgeführte Jugendarbeit hier meist im Vordergrund stand, da dies bei den Lesern am besten ankam. Aber diese Seminare werden heute nicht mehr durchgeführt.
In den 70iger und 80iger Jahren hatte ich auch des Öfteren regionale Fernsehsender, wie sogar das RTL, auf verschiedenen Veranstaltungen, auch zum Beispiel bei Zeltlagern mit UHU-Wettbewerben, zu Gast, die dann einen Bericht, wenn auch meist kurz, über die Veranstaltung brachten. Dann kam ein Rundschreiben des Deutschen Sportbundes, dass mit dem ARD ein Exklusivvertrag über die Berichterstattung von Veranstaltungen der Vereine, welche dem DSB angehören, geschlossen wurde und künftig nur noch ARD-Sender entsprechende Berichte ausstrahlen dürfen. Damit war eine weitere Veröffentlichung von Modellflugaktivitäten über Radio und TV gestorben. Ob der Vertrag heute noch besteht, entzieht sich meiner Kenntnis.  Beim Fernsehsender D-Max sind häufig Berichte über Flugmodelle zu sehen. Jedoch habe ich hier ausschließlich Modellflieger gesehen die dem DMFV angehörten, da dieser Dachverband nicht Mitglied im Deutschen Sportbund ist.
Auch waren in den 50iger und 60iger Jahren sehr viele Jugendbücher, welche das Thema Flugmodellbau in den Gruppen, als Erzählung, zum Inhalt hatten, bei fast allen entsprechenden Verlagen zu finden. Aber solche, neueren Bücher, mit dem Thema Flugmodellbau, sind heute Mangelware und auf dem Markt nicht mehr vorhanden.
Letztlich fiel mir ein Presseartikel in die Hand, der genau so war, wie es meiner Meinung nach, nicht sein sollte. Dieser handelte von einer Vorstellung von Modellen, die über die Winterperiode von Mitgliedern gebaut wurden. In dem Artikel war von "Wettkampfmaschinen" die Rede, was in mir sofort eine sehr aggressive Intuition weckte. Gerade in der heutigen Zeit, in der so viele Kriege sind, ist es kontraproduktiv im Modellflug von "Kampfmaschinen" zu sprechen. Auch ist in dem Artikel die Rede, dass im "Wettkampf" mit allen Mitteln gegeneinander "gekämpft" wird um den Sieg zu erringen. Genau dies entspricht nicht dem Gedanken eines fairen Wettbewerbes, der für die meisten Modellflieger sicherlich an vorderster Stelle steht und die Wettbewerbe eher zu einem Event macht, bei dem, im Regelfall, jeder dem anderen hilft. Ferner sind in dem Artikel Preise genannt, die den Modellflug eher in den Bereich elitärer Sportarten, wie Golf oder Tennis, rücken lässt, also eine Sportart für Betuchte. 
In dem gleichen Artikel, welcher von dem Pressereferenten einer Modellfluggruppe verfasst wurde, ist geschrieben, dass das Modell "Der kleine UHU" früher in den Schulen gebaut werden musste, also ein absoluter Zwang war. Wenn auch damals im Werkunterricht der Kleine UHU, von allen Schülern, gebaut werden musste, so sollte dies doch von einem Modellflieger, für den Leser des Artikels, nicht so extrem negativ dargestellt werden. Bei einer solchen Ansicht wird es für den Leser sicherlich bestätigt, dass dieser früher ausgeübte Zwang heute, Gott sei dank, nicht mehr vorhanden ist, da das Fach "Werkuntericht" nicht mehr existent ist. Hier hätte auch genügt, dass das Modell früher in den Schulen gebaut wurde. Eine Redewendung mit "gebaut werden musste" sollte von Modellfliegern, in Bezug auf Ausbildung, nicht verwendet werden.
Alle diese genannten Umstände bringen das Image des Modellfluges sicherlich nicht weiter nach vorne und eine Werbewirkung ist hierdurch ebenfalls nicht gegeben, sondern bei solchen Artikeln ist eher das Gegenteil der Fall.

Auch in den Terminkalendern der Kommunen sind selten Veranstaltungen der Modellflugvereine zu finden.

5. Modellflug im Internet
Die Möglichkeit des Internet-Auftrittes wird ebenfalls von Seiten des Luftsportes nicht genutzt, um Nachwuchs zu rekrutieren. Als Beispiel nenne ich hier die Seite des Aero-Club Saar. So leer wie sie sich derzeit darstellt, ist sie bereits seit mehreren Jahren.
Ohne Hinweis auf Modellflugvereine oder Veranstaltungstermine. Absolut nichts.
 
 
6. Ausbildung von Jugendgruppenleitern
Auch der Ausfall der Luftsportjugend und deren Ausbildungsstätte in Laucha ist für die Jugendarbeit im Flugsport ein herber Rückschlag.
So wurde bei den Modellbau-Lehrgängen im Haus der Luftsportjugend regelmäßig Balsagleiter wie auch das Anfängermodell „Der kleine UHU“ gebaut, was bei 10 Lehrgängen und je 20 Teilnehmern eine Zahl von 200 Modellbauern pro Jahr war, die den Modellbau weiter in den Vereinen verbreiteten, neben den Lehrgängen des hessischen Lehrerfortbildungswerkes, bei dem ebenfalls solche Modelle gebaut wurden, was sich dann auch im Werkunterricht der Schulen niederschlug. Auch wurden im Haus der Luftsportjugend in Hirzenhain Modellbaulehrer für die „Trainerlizenz B“ des Deutschen Sportbundes ausgebildet und die entsprechenden, in jeweils 2 jährigem Abstand, zu erfolgenden Weiterbildungskurse fand dort ebenfalls statt, wobei dies früher die Grundvoraussetzung war, in den Jugendgruppen der Vereine an die Gelder der Sportförderung des Deutschen Sportbundes, wie auch der Landessportverbände zu kommen.
 
7. UHU-Wettbewerb
Für die am Wettbewerb „Der kleine UHU“ teilnehmenden Jugendlichen war es eine Herausforderung an der Bundesausscheidung teilnehmen zu dürfen, da dort, neben dem Wettbewerb auch ein sehr ansprechendes Rahmenprogramm angeboten wurde, was für alle Teilnehmer ein besonderes Erlebnis war und auch die ausgegebenen Preise konnten sich sehen lassen. Auch das Modell selbst war eine Institution und Generationen von Jugendlichen schwärmten davon auch einmal den „Kleinen UHU“ gebaut zu haben
Ein weiteres Problem ist das Modell „Der kleine UHU“ selbst. Wurden seit dem ersten UHU 1956 alle Folgemodelle jeweils verbessert, so ist der neue UHU von 2014 ein enormer Rückschritt auf die Anfänge von 1956, ohne Kurvensteuerung und ohne Thermikbremse und dann ist der Beschaffungspreis ein weiteres Hindernis zur Verbreitung. Bisher habe ich noch in keinem Modellbaugeschäft einen neuen „kleinen UHU“ in einem Regal liegen sehen.
Auch der „Kleine UHU“ von 2016, der als Anfänger-Freiflugmodell angepriesen wird, scheint alles andere als ein Leistungs-Freiflugmodell, so wie man sich dies, mit Kurvensteuerung und Thermikbremse vorstellt, zu sein
Während früher die ortsansässigen Firmen daran interessiert waren, UHU-Wettbewerbe durchzuführen um Jugendliche an den Modellflug heranzuführen und somit neue Kunden zu gewinnen und hierfür Vereine animierten oder gleich selbst Wettbewerbe organisierten, ist heute die extrem kleine Zahl der verbliebenen Geschäfte hieran vollständig desinteressiert, da der Bedarf für Schulen oder Gruppen nur noch im Internet beschafft wird und ein Internethändler ist für Jugendarbeit nicht zu begeistern, bei ihm läuft der Verkauf auch ohne Jugendförderung.
Früher konnte auch mit der Aussicht auf Gewinne und Teilnahme an der Bundesausscheidung hervorragend geworben werden. Auch waren alle für einen Wettbewerb, wie auch für die erforderliche Öffentlichkeitsarbeit, benötigten Unterlagen durch die Luftsportjugend vorhanden und wurden den Veranstaltern kostenlos zur Verfügung gestellt und übersandt.
 
8. Halter-Haftpflicht-Versicherung
Ein weiteres Handikap für die Jugendförderung ist die gesetzlich vorgeschriebene Halter-Haftpflicht-Versicherung für alle Fluggeräte, die eine Flughöhe von 30 m überschreiten können. Dies ist meiner Meinung nach das größte Manko für die Jugendarbeit, denn eine freie Gruppe oder Schule, kann sich diese Einzel-Versicherung nicht leisten und immer nur Balsagleiter bauen, ist für die Jugendlichen uninteressant. Das Risiko für einen Lehrer oder Gruppenleiter ohne die zwingend erforderliche Versicherung trotzdem zu fliegen ist für die Betroffenen wesentlich zu hoch.
 
9. Modellflug-Gelände
Ein weiteres Problem ist das Gelände. Früher waren im Herbst, nach der Ernte, die Wiesen und Stoppelfelder für die Nutzung frei. Die Kinder konnten darauf ungehindert ihre Drachen steigen oder Modellflugzeuge fliegen lassen. Heute ist zwingend die Genehmigung durch den Eigentümer erforderlich und dieser ist, dank der Datenschutzgesetze nicht mehr zu ermitteln, es sei denn einer im Ort weiß, wem das Grundstück gehört und wo der Eigentümer wohnt.
Hier kommen auch noch die „Grünen“ hinzu, die aufpassen, dass ja keiner ohne Genehmigung ein Feld betritt. Diese werden in dieser Funktion ausgebildet und sind froh, wenn sie ihre Autorität einmal spielen lassen können, wobei die Ausbildung teilweise durch Modellflieger selbst erfolgt.
Heute muss, nach Ansicht der Umweltschützer, die Natur vor den Menschen geschützt werden und die vorhandenen Modellflugplätze werden, bei jeder Genehmigungsverlängerung mit strikteren  Auflagen belegt, die selbst einen RC-Flug sehr einschränken und einen Freiflug praktisch unmöglich machen und ein Modellflugplatz nach dem anderen fällt dem Umweltschutz zum Opfer. Auch durch das Aufstellen von Windkraftanlagen sowie Solaranlagen sind viele Gelände nicht mehr nutzbar.
Ein weiteres Problem ist der Ankauf von Grundstücken zum Anlegen eines Modellflugplatzes, was in der hiesigen Gegend überhaupt nicht mehr machbar ist, da die „Naturlandstiftung Saar“ das absolute, gesetzlich verbriefte Vorkaufsrecht für landwirtschaftliche Flächen, besitzt und von diesem Vorkaufsrecht bisher in jedem Falle Gebrauch macht. Selbst Landwirte können entsprechende Flächen nicht mehr einfach ankaufen. Die angekauften Flächen werden dann den Landwirten, mit extremen Auflagen, verpachtet, wobei der Mäh-Zeitpunkt der Wiesen, zum Schutz der Vögel und Insekten, in den meisten Fällen, so weit hinausgeschoben wird, dass das Gras zur Fütterung absolut wertlos ist. Ein Teil der aufgekauften Grundstücke wird auch der Industrie zu notwendigen Umweltschutz-Ausgleichsmaßnahmen bei Erweiterungen der Industrieanlagen zur Verfügung gestellt.
Es gibt selbst Gebiete in denen Verbände Bundesgesetze, wie das Luftfahrtgesetz außer Kraft setzen und den Modellflug sehr stark einschränken oder ganz verbieten und Richter stellen diese Gebietssatzungen über die Bundesgesetze und sprechen entsprechende Strafen aus. Eine diesbezügliche höchstrichterliche Entscheidung steht noch aus.
Bei den „Grünen“ ist offenbar noch nicht bekannt, dass die Modellflugsegler auch Vögel anlocken um mit diesen in der Thermik zu kreisen und sich auch kreisende Vögel nicht stören lassen wenn ein Modellflugzeug zu ihnen kommt um mit ihnen ihre Kreise zu ziehen. Mir sind auch Flugplätze bekannt, die Vögel magisch anziehen, was letztendlich dann ein Problem für die Flugsicherheit wird, was das Gegenteil von dem ist, was von den Umweltschützern immer wieder behauptet wird.
 
10. Modellflug in den Schulen
Nun zu den Schulen. Hier gilt das bereits unter Luftsportjugend gesagte, die Schulen werden immer mehr auf humanistischen Unterricht umgepolt. Hier am Ort ist eine Gesamtschule vorhanden, in der bis vor 2 Jahren viele Jahre lang durch das örtliche Technische Hilfswerk eine Arbeitsgemeinschaft über das THW und den Katastrophenschutz, mit Basteln von maßstäblichen Modellen, wie Trümmersteg, Dreibock usw., durchgeführt wurde und aus der sich auch mehrere THW-Helfer rekrutieren. Bei dieser AG habe ich an mehreren Tagen im Jahr mit den Jugendlichen Balsagleiter gebaut. Nach Direktorenwechsel hat die neue Direktorin die Schule auf eine humanistische Ausbildung umgestellt und das THW war bei der AG außen vor und auch meine Balsagleiterbauaktionen waren „out“. Dem THW wurde mitten im Schuljahr durch die neue Direktorin schriftlich mitgeteilt, dass die AG mit sofortiger Wirkung nicht mehr stattfindet. Wie mir einige Schüler berichteten wurde anschließend in der AG Malen durch eine Hobbykünstlerin durchgeführt, was die Schüler überhaupt nicht wollten. Das Gleiche gilt für das, bei vielen Schulfesten an der Schule durchgeführten Balsagleiterbau, auch der war nicht mehr gefragt. Technischer Werkunterricht ist in den Schulen so gut wie nicht mehr vorhanden.
In Limbach wurde von mir, unter der Mithilfe von weiteren 2 Vereinskameraden, im November 2008 eine Projektwoche in der Erweiterten Realschule mit Vorträgen über Aerodynamik und Stabilisierung von Flugzeugen einschließlich dem Bau von Flugmodellen durchgeführt Die Projektwoche war für die Schule und die Teilnehmer kostenfrei. Diese Aktion, eine unter 26 vollständig unterschiedlichen Angeboten, war so hervorragend bewertet, dass diese, mit entsprechenden Bildern, in der Saarbrücker Zeitung, der Homburger Rundschau und dem Pfälzischen Merkur als etwas ganz Besonderes hervorgehoben war. Eine nochmalige Anfrage im kommenden Jahr erfolgte nicht mehr. Auch eine Nachfrage von mir blieb unbeantwortet.
 
11. Vereins-Räumlichkeiten
Ein weiteres Problem ist das derzeitige Haushalts-Notlagegesetz der Länder. Laut diesem Gesetz sind die Kommunen verpflichtet Räumlichkeiten nur gegen eine angemessene Miete zu vergeben. Obwohl hierzulande viele Schulen durch die zurückgehende Schülerzahl, geschlossen wurden und leer stehen, darf die Kommune diese nur für einen entsprechenden Geldbetrag an Vereine Vermieten und welcher Verein kann schon im Jahr 1.000 bis 1.500 Euro, für einen 40 m² großen Raum, bei der Gemeinde auf den Tisch legen. Heizung, Wasser und Strom wird zusätzlich berechnet. Das Ganze wird natürlich von der Kommunalaufsicht und dem Landesrechnungshof penibel überwacht. Der Verein in Rubenheim hätte mehrere Mitglieder welche sich um die Jugendlichen kümmern würden, aber trotz gemeindlichem Leerstand bekommt der Verein keinen Raum, ohne entsprechendes Geld. In unserem Bereich mussten bereits mehrere Vereine, allgemeiner Art, aufgeben, da sie den geforderten Mietzins nicht mehr zahlen konnten, was auch für verschiedene traditionelle Veranstaltungen gilt, bei denen die Kosten für Miete und Genehmigungsgebühren so hoch waren, dass der Verein, trotz hoher Besucherresonanz, noch Gelder aus dem Vereinsvermögen zuschießen musste.
Ob zukünftig noch Hallen- oder Saalflug durchgeführt werden kann, ist ebenfalls noch fraglich, da derzeit sehr viele Sport- und Mehrzweckhallen geschlossen werden und in den noch verbleibenden, wenigen Hallen ist sicherlich keine Kapazität mehr frei für Saal- oder Hallenfliegen, wobei fraglich ist, ob sich ein Verein die anfallende Hallenmiete noch leisten kann.
 
12. Materialbeschaffung vor Ort
Auch die Materialbeschaffung für selbst gebaute Modelle wird immer schwieriger, da dies in den Katalogen der Firmen immer weniger angeboten wird und die noch verbliebenen Modellbaufachgeschäfte dieses Material, für die wenigen noch vorhandenen Bastler, nicht mehr vorhalten.
So ist es schwierig für einen Anfänger kleine Mengen an benötigtem Material zu erhalten oder mal kurz in ein Fachgeschäft zu gehen um die fehlende Leiste zu kaufen. Waren früher im Saarland 22 Modellbaugeschäfte über das Land verteilt, so sind es heute gerade noch 3 kleine Läden im gesamten Saarland, die aber meist das dringend gebrauchte Material nicht am Lager haben und entsprechend bestellen müssen. Für Jugendliche, die keine Flugmodellbauer als Bekannte oder Verwandte haben, die sie unterstützen und noch keinem Verein angehören, ist es sehr schwierig ein kostengünstiges, einfaches Anfängermodell selbst zu bauen und beim Kauf eines Fertigmodelles ist die Identifizierung mit dem Modell nicht gegeben und es geht wie mit allem „Ex and Hopp“, dann wird mal wieder etwas anderes ausprobiert. In der heutigen Zeit ist für den Bau ein gewisses Materiallager unbedingt erforderlich, was auch so von der Industrie gewollt ist, um die hohen Porto- und auch relativ hohen Minderbestellkosten zu umgehen und welcher Jugendliche, der einmal den Flugmodellbau ausprobieren will, legt sich dann ein Materiallager für etwas an, was er vielleicht nicht mehr weiter machen will.
In den Schaufenstern der Modellbaugeschäften waren auch Flugmodelle zu sehen, so dass sehr häufig bei Kindern und Jugendlichen der Wunsch, auch so ein solches Flugmodell zu besitzen, geweckt wurde. Bei Schaufensterdekorationen anderer Gewerbe waren des Öfteren auch Flugmodelle, als Blickfang, aufgestellt, was mir jedoch in letzterer Zeit nicht mehr aufgefallen ist.
Heute stehen Flugzeuge nur noch für Verderben, Zerstörung und Tod, anderes sieht man im Fernsehen nicht mehr, oder zumindest nur noch sehr selten.
 
13. sehr aufwändige Wettbewerbsmodelle
Nach meiner Ansicht ist auch die Jugendförderung durch die extrem ausgefeilten und aufwändigen Wettbewerbsmodelle aller Klassen ein Problem. Konnten noch in den 80iger Jahren die Wettbewerbsmodelle für alle Modellflugklassen, mit entsprechenden Gewinnchancen, selbst gebaut werden, so ist dies heute nur noch unter Einsatz von hohen Geldmitteln und Spezialmaterialien möglich. Ich sehe das selbst bei meinen Besuchen in Ilbesheim, wie die heutigen Hochleistungsmodelle der F1-Klassen gebaut und ausgerüstet sind und hautnah erlebe ich dies in der Klasse F3J, welcher Material und Zeiteinsatz erforderlich ist, um ein in vorderer Reihe mitspielendes Modell zu entwickeln und zu bauen und so sieht es in den übrigen Klassen ebenfalls aus. Hier möchte ich auch die Klasse R.E.S. nennen, die ursprünglich gestartet wurde, um mit einfachsten Modellen in Holzbauweise, wie z.B. einem Amigo, wie in der Präambel zu der Klasse geschrieben, eine reelle Gewinnchance zu haben. Aber zwischenzeitlich sind auch dort Spezialmodelle mit extrem geringem Gewicht im Einsatz, die mit einfachen Mitteln aus der üblichen Bastelstube nicht zu bauen sind. Daher sind auch in dieser Klasse die Gewinnchancen nur mit diesen extrem leichten Modellen gewahrt und der ursprüngliche Sinn ist vollständig abhanden gekommen. Dieser Umstand ist seit dem Wegfall der Erbauerklausel extrem geworden.
 
14. Beginnerklassen mit Experten belegt
So habe ich in den 80iger Jahren, bei Einführung der TH-Klasse, die Teilnahme der Experten ausschließen wollen, so dass Anfänger und Jugendliche tatsächlich unter sich sind und entsprechende Gewinnchancen haben. Dieser mein Vorschlag ist jedoch in der Freiflugkommission auf Ablehnung gestoßen, mit dem Argument, dass wohl kein Saalflugexperte in einer solchen Wettbewerbsklasse teilnehmen wird. Nach dem von mir organisierten TH-Baulehrgang und anschließendem Wettbewerb in der Sulzbacher Festhalle lagen A-Kader-Piloten der Klasse F1D vorne und in der Jugendwertung die Kinder der A-Kader-Piloten, welche während des gesamten Wettbewerbes nichts anderes taten als die Modelle nur noch zu starten. Einen weiteren Wettbewerb mit der Jugendgruppe des Aero-Club-Sulzbach gab es nicht, da die Jugendlichen hierdurch so frustriert waren, dass sie nicht mehr teilnehmen wollten und auch keine TH-Modelle mehr bauten.
Wenn ich mir die Ergebnislisten der Wettbewerbe, mit für den einfacheren Einstieg von Anfängern limitierten Klassen ansehe, so sieht es auch hier genau so aus, so dass die eigentliche Idee, dass Beginner unter sich sind und so der Einstieg in die Wettbewerbsklasse, durch Erfolge bei den Anfängern, attraktiv wird, in keinem Falle gewährleistet ist und sich diese desillusioniert und frustriert abwenden, was natürlich auch für verschiedene RC-Klassen gilt.
 
15. Sponsoren für Veranstaltungen
Auch ich habe mit meinem Balsagleiterbauen ein Problem. In der letzten Zeit sind mir alle Sponsoren abhanden gekommen und ich sehe es nicht ein, dass ich neben meiner Zeit und dem Engagement auch noch das Material selbst bezahlen soll. In den früheren Jahren hatte ich mehrere Firmen, welche mich mit Material versorgten. Auch die Luftsportjugend beteiligte sich zum Teil an dem erforderlichen Material. Bei Veranstaltungen, wie dem Flohmarkt in Homburg, bekam ich nach Veranstaltungsende des Öfteren einen Pack Balsaholz und Kleber für die Aktion übergeben. Heute bekomme ich auf meine Bettelbriefe mit der Bitte um kurze Balsaholzabfälle oder Ausschuss, mit Verweis auf meine Homepage, noch nicht einmal eine Antwort, so dass ich das ebenfalls aufgegeben habe und das Balsagleiterbauen langsam auslaufen lassen muss und nur noch das vorhandene Material aufbrauche. Dass ich von den Kindern einen Geldbeitrag für die Balsamodelle erbete, mache ich nicht. Entweder kostenfrei oder gar nicht.
 
16. Termine für Balsagleiterbau
Nachdem mir die Sponsoren für die Balsagleiter abhanden gekommen sind, ist mittlerweile ein vollständig anderes Problem aufgetaucht. Ich bekomme keine Bautermine mehr.
Mir brechen auch die Termine für Bauaktionen weg, da keinerlei Interesse mehr am Flugmodellbau besteht. Für das Jahr 2016 habe ich lediglich noch 2 kleine Bautermine in meinem Kalender. Alle größeren Termine sind gestrichen worden.
Der in jedem Jahr erste Termin war die Ausstellung „Freizeit“ im Saarbrücker Messegelände. Hier wurde, seit mehreren Jahrzehnten, an 3 Tagen zwischen 350 und 500 Balsa-Modelle am Stand des Aero-Club Saar gebaut. Nach Eigentümerwechsel, von Privat an die Stadt Saarbrücken, verlangt diese nun die übliche Standmiete, was der Aero-Club Saar nicht zahlen kann.
Der 2. Termin war der „Tag der offenen Tür“ auf dem Flughafen Saarbrücken-Ensheim, wobei der Aero-Club-Saar ebenfalls seit Jahrzehnten mit einem Stand vertreten ist. Nun wird alle 2 Jahre ein bundesweiter „Tag der Flughäfen“ im Juni veranstaltet und der „Tag der offenen Tür“ entfällt. Erstmals war dieser Tag im vergangenen Jahr und dort wurden an einem Tag 350 Balsa-Modelle gebaut. Im kommenden Jahr ist dieser Event nicht, er soll erst wieder 2017 stattfinden und ob dann der Aero-Club Saar wiederum einen kostenlosen Stand bekommt, ist auch dort, nach Eigentümerwechsel, sehr fraglich.
In der Gemeinschaftsschule, hier im Ort, hatte das THW eine, alle 14 Tage stattfindende Arbeitsgemeinschaft für die Schüler, an der ich mich einige Male im Jahr mit Balsagleiterbau beteiligte. Auch zu den Schulfesten war ich ein gerne gesehener Gast und baute mit den Schülern pro Aktion um die 60 bis 80 Modelle. Dann hat im Jahr 2013 das Direktorium gewechselt und anschließend wurde die Schule auf humanistische Basis umgestellt und das THW und auch ich waren dann nicht mehr gefragt und die Arbeitsgemeinschaft wurde gestrichen bzw. zur Mal-AG umgewandelt.
Das Gleiche gilt für die Pfadfinder. Auch dort werde ich zu den Festen nicht mehr geladen, da auch dort eine andere Weltanschauung seinen Einzug gehalten hat. Der ursprüngliche Sinn des Pfadfindertums, nach Lord Baden-Powell, ist nicht mehr vorhanden. Heute steht die Ethik im Vordergrund, wenn man die Ziele der internationalen Treffen in den hiesigen, örtlichen Medien verfolgt.
Auch beim THW war ich bei den Landeswettkämpfen der Jugend in den früheren Jahren gefragt. Dort wurde die Belustigungsaktion für die Kinder kommerzialisiert und global an eine Firma vergeben, die jetzt Kinderschminken, Hüpfburg, Verkleiden, Tanzen, Dosenzielwerfen, usw. anbietet und keine weiteren Aktionen neben sich duldet. Hierbei wird nichts mit Basteln angeboten, nur reine Kinderbelustigung, Kinderklamauk. Aber die THW-Jugendführung hat mit der Organisation der Unterhaltung für die Kinder wesentlich weniger Arbeit, da durch die Firma alles Erforderliche mitgebracht und aufgestellt wird und nur ein freier Platz zur Verfügung zu stellen ist.
So verbleibt mir nur das Bauen im Roland McDonald Haus in der Uniklinik Homburg und der Modellbauflohmarkt in Homburg-Erbach, zusammen etwa 130 Modelle. Noch vor einigen Jahren waren es pro Jahr um die 1.000 Modelle.
Ich habe auch einige Vorsitzende während des Flohmarktes, in Homburg-Erbach, auf die Möglichkeit bei ihren Events kostenlos mit den Kindern Balsagleiter zu bauen, angesprochen, aber bisher keinerlei Resonanz gefunden.
 
17. Flughöhenbeschränkung
In den letzten Monaten hat sich für mich ein gänzlich anderes, nicht zu unterschätzendes Problem aufgetan. Es ist die Begrenzung der Flughöhe für Modellflieger auf maximal 100 m über Grund, die immer konkreter wird. Sollte diese vorgesehene, maximale Flughöhe, per Gesetz, eingeführt werden, wäre dies das Ende aller modellfliegerischen Wettbewerbe, denn dann wäre weder ein RC- noch ein Freiflugwettbewerb mehr möglich, da alle Modelle bei den derzeitigen Wettbewerben die Höhe von 100 m, teilweise sogar wesentlich, überschreiten.
 
18. Globale Anfeindungen des Modellfluges
In der Saarbrücker Zeitung erschien vor etwa einem Jahr ein größerer Artikel, von ca. 1/3 Seite, hierin wurde von einem Modellflugzeug berichtet, das in Amerika, mit Sprengstoff beladen, auf ein Ziel gesteuert werden sollte, was jedoch verhindert werden konnte. Ob das tatsächlich so war, sei einmal dahingestellt. Aber in dem Artikel war das Resümee gezogen, dass somit alle Flugmodellbauer, die ein Flugmodell konstruieren und bauen können, potentielle Terroristen wären. Hierin war auch die Forderung erhoben worden, den Modellflug generell, wegen Terrorgefahr, absolut zu verbieten.
 
19. Ausweisung von Naturschutzgebieten
Im Saarland fordern die „Grünen“ im Landtag, in den letzten Monaten, immer entschiedener und vehementer die Ausweisung von weiteren Habitat- Natura 2000- und Naturschutzgebieten, gemäß Vorgabe der EU, auf denen dann ebenfalls keinerlei Modellflug mehr möglich ist und die sogar Vorrang gegenüber dem Bestandsschutz von Modellflugplätzen haben. Hier soll die Zahl der Schutzgebiete auf mehr als die doppelte Zahl anwachsen.
 
20. Flugzeuge in Kinder-Spielzeugläden
Beim Besuch eines Bastel- und Spielzeugladens, in Homburg, ist mir aufgefallen, dass dort kein einziges Flugzeug für Kleinkinder, im Bodenrutsch-Alter, oder auch für etwas ältere Kinder, im Angebot war, nur Autos, Traktoren, Schiffe und Züge. Auf meine Nachfrage sagte die Inhaberin, dass derzeit keine Flugzeuge für Kleinkinder mehr nachgefragt würden und sie diese darum nicht mehr im Sortiment habe. Hier könnte es sein, dass die Leute infolge des permanenten Fluglärmes von Militärjets über unserem Gebiet, die „Schnauze mit Flugzeugen“ absolut voll haben.
 
21. Flugerklärungen in Kinderbüchern
Auf dem Weihnachtsmarkt der Behinderten im „Haus Sonne“ habe ich ein Buch aus der Serie „spielend lernen“ des Südwest-Verlages mit dem Titel „Luft und Flug“ für Kinder ab 7 Jahre, mit einfachen Experimenten, erworben. In diesem Buch sind sehr viele Experimente zum Thema Aerodynamik enthalten, aber nur sehr wenige können überhaupt funktionieren, die allermeisten sind nicht zielführend. So wird z. B. das Fliegen der Vögel wie folgt erklärt:
Schlägt ein Vogel mit seinen Flügeln nach unten, entsteht unter den Flügeln hoher Luftdruck. Der Vogel steigt. Bei der Flügelbewegung nach oben spreizt der Vogel die Federn, so daß die Luft ungehindert hindurchströmen kann.
So wird in dem Buch der Vogelflug erklärt und analog so werden auch die übrigen Versuche beschrieben. Wenn schon ein Buch für Kinder herausgegeben wird, bei dem nur sehr wenig Wahres dran ist, braucht man sich nicht zu wundern, dass dann die Lust auf weitere Experimente oder das tiefere Eindringen in die Materie nicht mehr vorhanden ist.
 In den 80iger Jahren habe ich die Arbeitsunterlagen für die Modellflugausbildung des DAeC weiter vervollständigt und auf den neuesten Stand gebracht. Hierin waren auch einfache Experimente, die mit Kindern durchgeführt werden konnten, enthalten. Aber von diesen Arbeitsunterlagen ist absolut nichts mehr zu hören.
 
22. Modellflugbasteln auf der Wasserkuppe
Als ich nach einer Unterkunft im Bereich der Wasserkuppe gesucht habe, fand ich auch die Jugendausbildungsstätte auf der Wasserkuppe, die in dem ehemaligen Fliegerlager beheimatet ist. Hier werden für Schulklassen und Jugendgruppen bei Freizeiten Workshops angeboten, die aus einem Baukastensystem ausgesucht werden können. Unter diesen Angeboten sind neben Besichtigungen auch Bastelangebote, wie Filzen, Töpfern und Backen enthalten. Für das Fliegen kann man im Entferntesten lediglich den Drachenbau ansprechen, aber kein einziger Lehrgang im Flugmodellbau und das auf dem europäischen Berg der Flieger.
Ich fand auf der gesamten Wasserkuppe absolut nichts, wo ein Jugendlicher unter Anleitung, ein kleines Flugmodell selbst bauen kann und dann sein, von ihm selbst gebautes Flugzeug den Hang herunter fliegen lassen kann, was sich doch gerade an dieser historischen Stelle des Flugsportes regelrecht anbieten würde.
 
23. Jugendfreizeiten
Nachdem Hirzenhain aufgegeben und Laucha praktisch geschlossen ist, ist mir keine überörtliche Jugendfreizeit mehr bekannt, bei der interessierte Jugendliche vom einfachen Balsagleiter über Anfängermodelle bis an Wettbewerbsmodelle herangeführt werden und nach Herzenslust fliegen können, wie das in den Jugendfreizeiten im Haus der Luftsportjugend in Hirzenhain der Fall war und die beiden, dort in den Ferien angebotenen Lehrgänge, waren immer sehr gut besucht. Es lagen immer mehr Anfragen vor, als Plätze vorhanden waren. Auf der Wasserkuppe werden Jugend-Modellflug-Freizeiten angeboten, aber hier sind nur RC-Piloten, mit eigenem Flugzeug und Flugerfahrung, gefragt.
 
24. Hobbyausstellungen
Die „Saar-Hobby“ in Dillingen wurde in den 70iger Jahren ins Leben gerufen, damit sich die Dillinger Vereine der Bevölkerung, mit ihren Aktivitäten, vorstellen konnten. In den Anfangsjahren war der Luftsportclub Dillingen mit den Sparten Segelflug und Modellflug immer vertreten. Heute ist diese Ausstellung eine rein kommerzielle Verkaufsausstellung für Künstler aller Art.
„Freizeit“ in Saarbrücken. Diese wurde ebenfalls in den 70iger Jahren ins Leben gerufen auf der sich die einzelnen Landesverbände des Landessportverbandes (LSV) vorstellen konnten. In den Anfangsjahren waren alle Messehallen ausschließlich durch die Sportverbände gefüllt, welche die Stände kostenlos erhielten. Die Messe-Einnahmen erfolgten durch die Eintrittsgelder der Vereinsmittglieder, die in Scharen kamen, um ihren Verein zu besuchen und die Aktivitäten zu bewundern und zu beklatschen. Der Aero-Club Saar war hier mit allen Sparten vertreten. Nach und nach kamen auch kommerzielle Händler dazu, die immer mehr wurden und die Sportverbände in der Standfläche immer weiter beschränkten und vor 2 Jahren war dann auch für den „Aero-Club Saar“ Schluss, als Standgebühren erhoben werden sollten.
Die von mir in den letzten Jahren besuchten Hobbyausstellungen sind sehr einseitig. Hier ist meist nur Stricken, Häkeln, Nähen, Malen und Schmuck, also meist typisch frauliche Handarbeiten zu sehen. Selten ist einmal ein Stand mit anderen Bastelarbeiten, wie Drechseln oder Schnitzen, dazwischen. Auch hier waren früher des Öfteren, insbesondere bei regionalen Ausstellungen, die im Ort ansässigen Modellflieger vertreten, die dann den Besuchern ihren interessanten Sport vorstellten und näher brachten.
 
25. Dorffeste
Bei vielen allgemeinen Veranstaltungen waren auch Modellflugvereine vertreten, so möchte ich nur das „Kleintiroler Weiherfest“ erwähnen, bei dem sogar der örtliche Modellflugverein Mitinitiator des Festes war und das sich im Laufe der Jahre zu einer gut besuchten Traditionsveranstaltung etablierte. Hier wurden die Modelle ausgestellt und mit den Kindern Balsagleiter gebaut und der Verein hatte keine Nachwuchsprobleme. Infolge immer mehr erforderlicher Genehmigungen und strikten Auflagen über Hygiene, Sicherheit und Umweltschutz, wie auch das immer älter werdende Personal musste dieses Fest nach über 35 Jahren aufgegeben werden.
Auch kann ich mich erinnern, dass bei regionalen Fest- oder Fastnachtsumzügen auch die Modellflieger mit entsprechenden Motivwägen oder Fußgruppen, des Öfteren mit dabei waren, heute ist dies nicht mehr der Fall, zumindest ist mir dies in den letzten Jahren nicht mehr aufgefallen.
 
26. Allgemeine Flohmärkte
Auf Hallenflohmärkten waren früher in unserer Gegend öfters auch Modellflugvereine vertreten, wobei die überschüssigen Materialien oder gebrauchte Modelle ihrer Mitglieder dort feil boten und auch neue, einfache Anfängermodelle und kleine Balsagleiter zum Kauf anboten.
 
27. Anti-Doping Gesetz
Eine weitere Sache sind die Anti-Doping-Gesetze. Denn es ist nicht als normal zu bezeichnen, dass, wenn ein Modellflugsportler beim Wettbewerb morgens gemütlich einige Tasse Kaffee, natürlich mit Coffein, trinkt und in der Mittagspause sich an einer Flasche Bier, selbstverständlich mit Alkohol, ergötzt, sich dopt und mit den Anti-Doping-Gesetzen in Konflikt gerät und sofort kriminalisiert wird. In stärkerem Maße gilt das natürlich auch für die bei den Jugendlichen so beliebten Cola-, oder Energie-Drinks, die einen noch höheren Anteil an Coffein enthalten, um nur einige problematische Getränke zu nennen. Auch die aufputschenden Teearten, wie die in Norddeutschland zum Frühstück gehörenden Arten, als auch die moderneren Teesorten mit sehr hohem Teein-Anteil, sind in diese Kategorie mit einzuordnen. Sollte ein Jugendlicher sich bei einem Wettbewerb auf dem Felde eine Erkältung einfangen und dann Husten- oder Schnupfenmedikamente einnehmen müssen, ist der Jugendliche voll gedopt und das Ganze ist dann auch noch strafrechtlich relevant. Ich selbst bin ein absoluter Gegner von Doping im Sport, da ich selbst von früherer Zeit, als Leichtathlet, diese Problematik kenne. Aber im Modellflugsport konnte  mir bisher noch niemand hinreichend erklären, was Doping für den Piloten bringen soll.
 
28. Anzahl der Flugmodellsportvereinen
In den 50iger und 60iger Jahren waren im Umkreis meines damaligen Wohnortes in 10 km Entfernung 8 Vereine, alle mit entsprechenden Vereinsheimen, ansässig, die in unregelmäßigen Abständen von uns besucht wurden. Diese Vereinswerkstätten, in denen auch die erwachsenen Mitglieder, mangels eigener Werkstatt in den damals kleineren Wohnungen, ihre Modelle erstellten, waren ein beliebter Treffpunkt für uns Modellflieger zum Ideenaustausch und dort erfolgte auch die Ausbildung des Nachwuchses. Hier konnten die Jugendlichen entweder fußläufig oder per Fahrrad ein Vereinsheim erreichen. Auch war früher das Werkeln in der Gemeinschaft angesagt, wo einer dem anderen durch Tipps oder Handreichungen half. Derzeit gibt es nur noch Individualisten, die penibel darauf achten, dass ihre Ideen von niemand anderem umgesetzt werden und lieber in der eigenen Werkstatt ohne neugierige Zuschauer ihre Modelle erstellen.
Heute sind in diesem Bereich noch 2 Vereine ansässig und nur noch ein Verein besitzt ein etwas abseits gelegenes Vereinsheim. Das Heim ist mit öffentlichem Personennahverkehr nicht zu erreichen, da die Gruppenstunden außerhalb der normalen Arbeitszeit liegen und der ÖPNV dann nicht mehr verkehrt. Das Heim ist also nur noch mit dem Auto erreichbar.
In diesem Zusammenhang gibt es ein weiteres Problem, nämlich der Findung von Vorständen. Nachdem klar ist, dass alle Vorstandsmitglieder eines Vereines, bei steuerrechtlichen Forderungen, auch bei Insolvenz, mit dem eigenen Privatvermögen haften, geht die Zahl der zur Verfügung stehenden Mitglieder für einen Vorstandsposten rapide zurück und ein steuerrechtlicher Verstoß ist bei einem gemeinnützigen Verein, der auch Veranstaltungen durchführt, sehr schnell gegeben. 
 
29. Egoismus bei Modellfliegern
Bis Dato kannte ich das Phänomen des Egoismus bei den Modellfliegern noch nicht. Aber in letzter Zeit wurde ich eines besseren belehrt. So gibt es Modellflieger, die Pläne von vorhandenen Modellen für ihre eigenen Zwecke erbeten und dann leicht verändert abkupfern und noch dreist behaupten, dass das Ganze ihre eigene Entwicklung und Konstruktion sei und dann weiter diese Pläne sowie Bausätze der Modelle zum Kauf anbieten, wie es mir passiert ist.
Eine solche Vorgehensweise schadet in jedem Falle dem gesamten Modellflug, denn wenn dies einem einmal vorgekommen ist, wird der Betroffene sicherlich nicht mehr so großzügig mit der Herausgabe von Plänen und Tipps sein. Dies ist insbesondere bei der Jugendarbeit nachteilig, denn wenn diese keine entsprechenden Anleitungen von neuen Baumethoden und entsprechenden leistungsfähigen Modellen mehr erhalten, führt deren Frust beim Bau von alten Konstruktionen schnell zur Aufgabe des Sportes. Hierdurch ist es auch verständlich, dass Leistungsflieger oft nur eine Umriss-Skizze ihrer Modelle veröffentlichen ohne Angabe von Profilen oder sonstiger Daten um solche Plagiate von vornherein zu vermeiden.
 
Resümee:
Bei diesen vielen negativen Faktoren ist der Rückgang der Anzahl von Jugendlichen, die Interesse an dem Modellflug haben, sicherlich einsehbar. Hier sind die Dachverbände gefordert diesen Trend wieder umzudrehen, so dass nicht nur die Kinder von Modellflugpiloten Spaß an diesem Sport bekommen, sondern auch bisher unbedarfte Jugendliche zu den Vereinen kommen um dieses technisch anspruchsvolle Hobby auszuüben.

 
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