Flugmodellbau
  Profile
 
Insbesondere auf dem Flugfeld werde ich des Öfteren, wegen der Leistung meiner Modelle, auf die von mir verwendeten Profile angesprochen. Wenn ich dann mitteile, dass ich diese meist aus den DIN A 4 – Übersichtszeichnungen von Freiflugmodellen, unter Anderem auch aus der Zeitschrift „Thermiksense“ entnommen habe und erkläre wie ich dies mache, können sehr viele Modellflieger dies oft nicht nachvollziehen. Aus diesem Grunde veröffentliche ich die einzelnen Arbeitsabläufe auf meiner Homepage.
Diese Methode enthält natürlich recht viele Ungenauigkeiten, die für das Weiterverarbeiten für ein Kunststoffmodell in einer Negativform vollständig ungeeignet ist. Jedoch ist das Verfahren für die Herstellung der üblichen Holzmodelle vollständig ausreichend, da hierbei durch Bauungenauigkeiten die Profilform sowieso nicht zu 100 % umgesetzt werden kann und durch das Einfallen der Bespannung ebenfalls eine andere Profilform entsteht.
In dem Programm der Fa. Sielemann: „Profile 2005 Compact“ ist auch die Möglichkeit enthalten, aus einem gezeichneten Profil über einen Scanner die Koordinaten zu ermitteln. Mit diesem Programm habe ich jedoch meine Schwierigkeiten. Bei größeren, in einem Bauplan mit einer dünnen, exakten Linie gezeichneten Profil funktioniert dies einwandfrei. Ist das Profil jedoch kleiner und bei der Vergrößerung entsteht eine total ausgefranzte, dicke Linie, was im Regelfall bei Übersichtsskizzen der Fall ist, hat das Programm seine Schwierigkeiten und macht innerhalb der dicken Linie dann als Profillinie eine nicht verwendbare Zick-Zacklinie daraus. Aus diesem Grunde muss dann wieder die, bei mir seit Jahrzehnten bewährte Methode zur Ermittlung der Koordinaten von Profilen herangezogen werden.
 
Zuerst wird das gewünschte Profil möglichst groß auf ein DIN A 4 – Blatt vergrößert. Anschließend zeichne ich an das Profil die Sehne ein, bei konvex-konkaven Thermikprofilen ist dies, wie in alten Profilen üblich, die Tangente an die Unterseite, wodurch die weitere Arbeit für mich etwas erleichtert ist und das Sielemann-Programm verarbeitet diese Werte problemlos. Bei halb symmetrischen oder symmetrischen Profilen lege ich die Sehne von Vorderkante zur Hinterkante, wie dies heute üblich ist und arbeite dann bei Yu mit negativen Werten.
Dann wird die Profillänge in die üblichen x-Werte, 0,0%; 1,25 %; 2,5 %; 5,0 %; 7,5 %; 10,0 % usw., recht genau, eingeteilt und die Senkrechten eingezeichnet. Nun werden mit einer Schieblehre möglichst auf 1/10-tel Millimeter die Y-Werte abgelesen und in Millimeter in einer Tabelle eingetragen. Ich habe mir hierzu ein Formblatt gemacht, mit den feststehenden X-Werten, so dass ich lediglich noch die gemessenen Y-Werte in Millimetern eintragen muss.
Tabelle zum Eintragen der Y-Werte. 

Diese Werte werden nun durch die Länge des Profiles, in Dezimetern gemessen, dividiert. Das heißt, wenn das Profil eine Länge von 251 mm hatte, werden die gemessenen Y-Werte nun durch 2,51 dividiert. So erhält man die %-Werte des Profils. Diese werden nun von mir als ein 1,0 m langes Profil gezeichnet.
 
Da ich recht viele Profile in dieser Art weiter bearbeite, habe ich mir ein Blatt als Vorlage mit den X-Koordinaten mit feinen Linien gezeichnet. Auf dieses Blatt wird nun ein dünnes, transparentes Skizzierpapier gespannt. Zur späteren Rekonstruktion der Werte beim Wiederauflegen zeichne ich die Anfangskoordinate und die Endkoordinate, als Kreuzchen auf das Transparentpapier auf, so dass ich später das Profil immer wieder genau auf die Koordinatenvorlage auflegen kann. Die gerechneten %-Werte sind für das 1,0 m Profil die Werte in Zentimeter. Diese werden nun aufgetragen. Für die Verbindung der Punkte, als biegbares Lineal, habe ich eine Kiefernleiste von 1,20 m Länge in den Abmessungen von 5 x 2 mm. Hierbei habe ich eine Leiste ausgesucht, die vollständig gerade gewachsen ist, d.h. die Jahresringe verlaufen in beiden Richtungen, Breite und Stärke, vollständig parallel zu den Kanten, so dass eine wirklich saubere Linie entstehen kann. Nun erfolgt die Verbindung der eingetragenen Werte zu einem Profil. Hierbei sind fast immer die y-Werte bereits recht genau getroffen und die Ungenauigkeiten liegen allenfalls in einem Bereich von Plus-Minus 1,0 bis Maximal 1,5 mm. Die Kiefernleiste wird von mir im hinteren Profilbereich flach aufgelegt und entsprechend gebogen, im vorderen Bereich hochkant stehend benutzt, da die Leiste in dieser Richtung wesentlich flexibler ist. Der Nasenbereich wird mit einem biegbaren Kurvenlineal ergänzt.
Nun werden diese so gezeichneten Y-Werte ebenfalls mit einer Schieblehre auf 1/10-tel Millimeter gemessen und in cm wieder in die Tabelle eingetragen. Die dann noch vorhandenen Ungenauigkeit liegt bei dem 1,0 m langen Profil in einem Bereich von etwa 0,5 mm, so dass im Endeffekt bei einem 20 bis 25 cm langen Profil, wie es im RC-Modellflug üblich ist, noch eine Ungenauigkeit von 0,1 bis 0,2 mm vorhanden ist, was für die Holzbauweise vernachlässigbar ist. Diese so erhaltenen Koordinaten gebe ich in das Sielemann-Profilprogramm ein und kann anschließend mit dem Profil entsprechend weiter arbeiten. Mittels der Vergrößerung des Profiles kann auch die letzte Ungenauigkeit im Profilverlauf beseitigt werden. Das Profil kann dicker gemacht werden, die Wölbung verändert, die größte Wölbung wie auch größte Dicke an eine andere Stelle verlegt werden. Mit dem Programm ist einfach alles möglich. Dann kann ich das Profil in der gewünschten Länge mit Beplankung und Holmen ausdrucken, was für mich die Grundlage der Musterrippen ist. Der Ausdruck wird einfach auf Sperrholz aufgeklebt, ausgeschnitten und verschliffen. Aus diesem Grunde habe ich auf keinem Plan eine Musterrippe eingezeichnet, sondern es sind hierauf lediglich Vermerke enthalten, welches Profil ich verwende.
Diese vorbeschriebene Methode musste ich auch bei dem Nurflügel-Modell „Schlauchkurbler“ (GK 106) anwenden. Dieses Modell hat im Original ein extrem dünnes Profil von lediglich 5,5%, so dass weder eine beiderseitige Nasenbeplankung noch im Bereich der Ruder ein Servo eingebaut werden kann. Einen Aufbau, also eine Beule, für das Servo wollte ich aus optischen und aerodynamischen Gründen nicht machen. Aus diesem Grunde habe ich für die entsprechenden Profile die Koordinaten ermittelt und mittels des Sielemann-Programmes die Profile gerade so weit aufgedickt, dass der Hauptholm, trotz Beplankung, eine Höhe wie im Originalmodell hat und zwischen die Ober- und Unterseitenbeplankung ein 8 mm Flächen-Servo genau hineinpasste.


 
 
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