Da ich in letzterer Zeit immer wieder Diskussionen über das Modell „Der kleine UHU“ der Fa. Graupner miterlebe, möchte ich an dieser Stelle meine Kenntnisse über dieses Modell veröffentlichen.
Dass ich mich mit dem Modell etwas auskenne, beweist die Tatsache, dass ich von 1982 an, über einen Zeitraum von fast 15 Jahre, für dieses Modell bei der Luftsportjugend zuständig war, wobei mir die jeweiligen Wettbewerbsbedingungen, die Ausschreibung, die Gestaltung der Plakate, die Preisvergabe, der Pressewettbewerb, die gesamte Öffentlichkeitsarbeit der Luftsportjugend betreffend das Modell, usw., oblagen. Ferner habe ich in dieser Zeit, damals noch in Hirzenhain, eine Dokumentation der abgelaufenen Jahre zusammengestellt, wobei ich durch verschiedene Aufrufen in Fachzeitschriften fast die gesamten Unterlagen der jeweils einzelnen Jahre, wie Ausschreibungen, Plakate, Merkblätter, Ergebnisse der Bundesausscheidung, Urkunden etc. zusammen bekam. Diese Dokumentation, von 1956 bis 1992, befindet sich, in mehreren Ordnern, bei der Luftsportjugend. Bei den verschiedensten Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Treffen der Deutschen Sportjugend, um nur einige zu nennen, habe ich einen Stand mit dem Thema „Der kleine UHU“ bestückt, bei dem alle bisherigen Modelle, alte Plakate, Urkunden, Ausschreibungen,. Medaillen wie auch weitere Dinge, dieses Modell betreffend, zu sehen waren. Das Modell von 1984 wurde von mir, als Sachbearbeiter „Der kleine UHU“ bei der Luftsportjugend, entworfen und zu weit über 90 %, in der Produktion, umgesetzt, Die Änderungen betrafen lediglich Details in der Fertigung.
Das Modell „Der kleine UHU“ wurde immer wieder neu kreiert. So kam in den Jahren 1964, 1967, 1976, 1981, 1984 und 1999 jeweils ein neuer UHU auf den Markt. Der von mir konstruierte UHU von 1984 sollte mit Erscheinen des UHU´s von 1999 vom Markt genommen werden, jedoch waren hiergegen so starke Proteste zu vernehmen, dass dieser bis zum heutigen Tage noch, parallel zu dem Modell von 1999 im Programm ist. Dieses Modell ist somit jetzt (2009) genau 25 Jahre unverändert auf dem Markt.
Die hauptsächlichen Wettbewerbsregeln waren von 1956 bis 1982: Leinenlänge 50 m, maximale Flugzeit 120 Sekunden, 5 Durchgänge.
Ab dem Jahre 1983 habe ich die Leinenlänge auf 25 m, bei einer maximalen Flugdauer von 60 Sekunden reduziert, so konnten auch Wettbewerbe auf kleineren Flächen, bei geringen Windgeschwindigkeiten ,sogar auf größeren Sportplätzen durchgeführt werden. Diese Regeländerung stieß nicht überall auf Wohlgefallen. Die Abdrift war bei 5 m/sek Windgeschwindigkeit dann etwas über 300 m, was ein noch überschaubarer Bereich für die Jugendlichen ist.
Das Modell von 1981, mit Jedelsky - Flächen, wie auch das Modell von 1984 wurde von mir in doppelter Größe mit Original - Prospekt - Lackierung als RC - Modell gebaut und bei verschiedenen Veranstaltungen als Schauflugobjekt eingesetzt. Beide Modelle gingen durch Störungen der Fernlenkanlage, durch Absturz, verloren, das Modell von 1981 sogar in Hirzenhain, auf dem Flugplatz des Hauses der Luftsportjugend, im Beisein von Herrn Johannes Graupner. Von diesem Modell existiert noch ein Bild, welches das Modell auf der Ausstellung "Saar Hobby" 1983 in Dillingen zeigt.

Modell von 1981 als RC - Modell in doppelter Originalgröße
Modelle „Der kleine UHU“
1. Modell: 1956
2. Modell: 1964
3. Modell: 1967
4. Modell: 1976
5. Modell: 1981
6. Modell: 1984
7. Modell: 1999
Die hier abgebildeten Modelle wurden von mir für die verschiedenen Ausstellungen selbst gebaut und am Stand der Luftsportjugend gezeigt.
"Der kleine UHU“ 1956
Spannweite: 700 mm
Flächentiefe am Rumpf: 100 mm
Rumpflänge: 567 mm
Fluggewicht: ca. 120 Gramm
Tragflächeninhalt: 6,95 dm²
Höhenleitwerksinhalt: 1,73 dm²
Gesamt – Flächeninhalt: 8,68 dm²
Gesamt – Flächenbelastung: 13,8 g/dm²
Der erste "Kleine UHU" hatte ein Höhenleitwerk mit einer Spannweite von 300 mm und keinerlei Möglichkeit der Verstellung des Seitenruders. Das Seitenleitwerk war von hinten in einen Schlitz im Leitwerksträger gesteckt und angeklebt.

„Der kleine UHU“ 1964
Dieses Modell entspricht von Tragfläche, Rumpf und Höhenleitwerk dem Modell von 1956, lediglich das Seitenleitwerk wurde etwas vergrößert und halb vor dem Höhenleitwerk auf dem Rumpf angebracht. Das Höhenleitwerk hatte eine Spannweite von 250 mm. Das Seitenruder ist mittels zweier Bespannpapierstreifen befestigt, so dass das Seitenruder in Maßen beweglich ist.
Das Modell wurde von der Fa. Graupner, nach 1967, unter dem Namen Sonny vertrieben, ist jedoch im Katalog von 2009 nicht mehr enthalten,

„Der kleine UHU“ 1967
Spannweite: 1100 mm
Flächentiefe am Rumpf: 120 mm
Rumpflänge: 730 mm
Fluggewicht: ca. 230 Gramm
Tragflächeninhalt: 13,04 dm²
Höhenleitwerksinhalt: 2,63 dm²
Gesamt – Flächeninhalt: 15,67 dm²
Gesamt – Flächenbelastung: 14,7 g/dm²
An diesem Modell wurden erstmals Kunststoffteile verwendet, wie Höhenleitwerksauflage, Seitenleitwerksbefestigung, Hebel für Thermikbremse und Bleikammerverschluss. Ferner war hier eine Thermikbremse möglich, jedoch mit einer Auslösung mittels Glimmschnur.
Das Modell von 1967 wird jetzt unter dem Namen „Pilot“ vertrieben.
Das Modell konnte auch mittels eines Bauplanes erbaut werden. Der Bauplan ist beim Verlag für Technik und Handwerk unter Best. Nr. 320.0500 erhältlich. Bei diesem Plan wird auf die Verwendung von Kunststoffteilen verzichtet.

„Der kleine UHU“ 1976
Spannweite: 1215 mm
Flächentiefe am Rumpf: 120 mm
Rumpflänge: 870 mm
Tragflächeninhalt: 14,4 dm²
Höhenleitwerksinhalt: 2,0 dm²
Gesamt – Flächeninhalt: 16,4 dm²
Gesamt – Flächenbelastung: 17 g/dm²
Fluggewicht: ca. 280 Gramm
Dieses Modell hatte erstmals einen Kunststoff-Rumpfkopf und weitere Kunststoffteile, welche den Bau wesentlich erleichtern.
Gut zu erkennen ist das Modell an den kleinen „Öhrchen“ an der Tragfläche zur Verbesserung der Flugstabilität. Bei diesem Modell ist der Einbau einer Zeitschaltuhr zur Auslösung der Thermikbremse vorgesehen

„Der kleine UHU“ 1981
Spannweite: 1200 mm
Flächentiefe am Rumpf: 110 mm
Rumpflänge: 790 mm
Tragflächeninhalt: 12,9 dm²
Höhenleitwerksinhalt: 2,5 dm²
Gesamt – Flächeninhalt: 15,4 dm²
Gesamt – Flächenbelastung: 15 6 g/dm²
Fluggewicht: ca. 240 Gramm
Die Tragfläche dieses Modelles war erstmals als Vollbalsa – Fläche in der bekannten Jedelsky – Bauweise hergestellt, im Gegensatz zu den bisherigen Modellen, die Rippenflächen besaßen..

„Der kleine UHU“ 1984
Spannweite: 1100 mm
Flächentiefe am Rumpf: 120 mm
Rumpflänge: 850 mm
Tragflächeninhalt: 13,0 dm²
Höhenleitwerksinhalt: 2,4 dm²
Gesamt – Flächeninhalt: 15,4 dm²
Gesamt – Flächenbelastung: 17 g/dm²
Fluggewicht: ca. 260 Gramm
Dieses Modell hatte wieder Tragflächen in Holm- Rippenbauweise. Die Tragfläche hatte ein gerades Mittelstück mit Ohren.
„ Der kleine UHU“ 1999
Spannweite: 1085 mm
Flächentiefe am Rumpf: mm
Rumpflänge: 850 mm
Tragflächeninhalt: 12,5 dm²
Höhenleitwerksinhalt: 2,4 dm²
Gesamt – Flächeninhalt: 14,9 dm²
Gesamt – Flächenbelastung: 18 g/dm²
Fluggewicht: ca. 270 Gramm
Bei diesem Modell ist die Tragfläche in Jedelsky-Bauweise, also Vollbalsa gehalten.
Nun noch einige Bautipps:
Es komme bitte keiner auf die Idee, eine kleinen UHU mit Rippenflächen mit einer Folie bespannen zu wollen. Das funktioniert nicht. In meiner Flugpraxis habe ich schon viele dieser mit Folie bespannten Modelle zum Fliegen gebracht. Eigentlich hätte ich als Wettbewerbsleiter solche Modelle ausschließen müssen, da nur Modelle zugelassen sind, die aus den im Baukasten enthaltenen Materialien gebaut sind. Hierbei darf kein weiteres Teil hinzugefügt werden, es dürfen aber Teile weggelassen oder die vorhandenen Teile auch verändert werden.Aber ich habe diese Modelle trotzdem zugelassen und dabei unverblümt mitgeteilt, dass diese im Wettbewerb nicht die geringsten Chancen haben, was sich immer bewahrheitet hat.
So ist es sehr häufig vorgekommen, dass bei den alljährlichen, saarländischen Landesjugendzeltlagern, bei denen auch ein UHU Wettbewerb durchgeführt wurde, alte Modellflieger mit ihrem Nachwuchs oder Opas mit Enkel gekommen sind und haben stolz ihre sehr sauber gebauten „Kleinen UHU´s“ mit Folie präsentiert. Aber diese Modelle waren selbst von erfahrenen Freifliegern nicht in die Luft zu bringen, da die Laufgeschwindigkeit nicht ausreichend war.
Nachdem alle Versuche des Hochstarts der Modelle misslungen sind, habe ich das Modell entsprechend präpariert. Entweder wurde mit einem Schraubendreher auf der Oberseite der Tragfläche, am Ende der Nasenleiste, eine kleine Stufe eingedrückt oder es wurde ein Gummifaden an genau der gleichen Stelle gespannt. Am wirkungsvollsten war jedoch, wenn der Nasenbereich der Oberseite mit Haarspray besprüht wurde , vor dem Trocknen wurde Salz oder Zucker aufgestreut und nochmals mit Haarspray besprüht. Durch alle diese Maßnahme entstand ein Turbulator, so dass die vorzeitige Ablösung der Strömung auf der Oberseite vermieden wurde. Nach diesen Maßnahmen flogen die Modelle ganz passabel, waren jedoch in keinem Fall, von der Leistung her, mit einem papierbespannten Modell zu vergleichen. Bei den unter meiner Leitung gebauten Modellen ging ich mit der Bespannung noch einen Schritt weiter. Jedes Bespannpapier hat zwei Seiten, eine glatte und eine etwas rauhere Seite. Bei mir wurden die Modelle zuerst auf der Oberseite, mit der rauhen Seite noch oben bespannt. Dann die Unterseite, mit der glatteren Seite nach außen. Das Papier der Unterseite wurde über die Nasenleiste gezogen und endete am Ende der Nasenleiste. Hierdurch entstand an dieser Stelle wiederum eine kleine Stufe welche als Turbulator wirkte. Diese Stufe durfte in keinem Falle weggeschliffen werden. Meine Freiflugmodelle waren alle mit einem sog. 3 – D – Turbulator ausgestattet, wodurch ich mit extrem große Spannweiten, also geringen Flächentiefen, fliegen konnte, ohne ein Abreißen der Strömung befürchten zu müssen.
Die UHU - Modelle mit Rippenflächen lassen sich auch legal einem Tuning unterziehen. Hierbei ist jedoch wiederum zu beachten, dass keine Teile hinzugefügt, jedoch alle im Baukasten vorhandenen Teile verwendet werden dürfen oder entsprechende Veränderungen durchgeführt werden können. Das beliebteste Tuning ist, dass die Endleiste im hinteren Bereich um 1,5 bis 2 mm abgekippt, und so der Auftrieb entsprechend erhöht wird. Eine weitere beliebte Methode ist das Aushöhlen der Unterseite der Profile, so dass ein leistungsfähiges Thermikprofil entsteht. Auch der für erfahrene Freiflieger etwas überdimensionierte Hauptholm kann in der Höhe reduziert und auch nach Außen verjüngt werden. Hierdurch entsteht eine Gewichtsersparnis und bei Verjüngung wird die Massenträgheit außen verringert, so dass die Thermikempfindlichkeit vergrößert wird. Bei dieser Maßnahme ist jedoch zu beachten, dass die Ausschnitte der Profile für den Hauptholm verkleinert werden müssen, wobei die vorgestanzten Schnitte, vor dem Ausbrechen entsprechend wieder angeleimt werden. Ganz erfahrene Freiflieger bauen in der kurveninneren Tragflächenseite noch eine kleine positive Verwindung ein, welche das Einkurven des Modelles in die Thermik erleichtert. Bei dieser Maßnahme muss der Starter jedoch über sehr viel Fingerspitzengefühl verfügen, da er ein verzogenes Modell in die Höhe bringen muss. Eine weitere Möglichkeit der Leistungssteigerung ist das Verjüngen des Leitwerksträgers auf der Unterseite. Hierdurch können auch die Kunststoffteile der Leitwerke etwas verringert werden. Diese Maßnahme hat eine Gewichtsersparnis zur Folge, so dass auch Ballastgewicht gespart werden kann. Auch wird die Stabilität des Modelles erhöht, da die Massenträgheit im Bereich des Leitwerkes verringert wird, was natürlich wiederum auch Vorteile beim Einkurven in eine Thermik hat.
Alle diese Maßnahmen haben bei unserem Sohn Andreas bei der Erringung des Bundessieges in der Klasse „Der kleine UHU“ 1985 nichts genutzt, da er damals ein ganz original gebautes Modell mit Jedelsky – Flächen geflogen hat.