Flugmodellbau
  Annähen der Ruder
 
 
Bei verschiedenen Modellen, auf dieser Homepage, habe ich erwähnt, dass die Ruder angenäht sind. Dies hat zu mehreren Anfragen geführt, da diese Methode der Ruderbefestigung heute nicht mehr sehr bekannt ist und nur noch in wenigen Fachbüchern erläutert wird. In den 50-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war dies eine gängige Methode zur Ruderbefestigung, insbesondere bei kleinen Freiflug- und bei Fesselflugmodellen. Die Vorteile sind, dass der Ruderspalt sehr gering ist und die Ruder leichtgängig sind. Auch in der heutigen Zeit ist diese Befestigungsmethode bei einfachen, kleinen Modellen mit Rudern aus dünnen, etwa 2 bis 4 mm starken Balsabrettchen eine sehr geeignete Möglichkeit der Befestigung, die darüber hinaus noch sehr haltbar ist und nicht die Nachteile einer Befestigung mit Klebeband aufweist, das nach einer gewissen Zeit seine Haftkraft verliert und das meist mitten im Flug. Bei meinen ehemaligen Freiflugmodellen, die jetzt auf RC – E – Flug umgebaut wurden, sind, bis auf einige, wenige Ausnahmen, alle Ruder angenäht.
Vor dem Annähen der Ruder muss die Hinterkante des feststehenden Leitwerksteiles, wie auch die Rudervorderkante abgerundet werden. Hierbei ist zu beachten, dass das Ruder aus einem Quarter grain-Material besteht, da nur damit ein relativ stabiles und drehsteifes Ruder hergestellt werden kann.
Als Nähmaterial dient ein Nylonfaden in der Stärke von etwa 0,15 mm mit 1,0 kg Reißfestigkeit, bis 0,25 mm mit 3 kg Reißfestigkeit, je nach Rudergröße. Ein dünner Faden ergibt ein sehr leichtgängiges Ruder und einen kleinen Ruderspalt, ein dickerer Faden, als hier genannt, jedoch ein schwergängigeres Ruder und einen größeren Ruderspalt. Bei kleinen Modellen habe ich auch bereits stärkeres Nylon-Nähgarn problemlos angewendet. Gesponnene Fäden aus Naturmaterial haben sich bei mir nicht bewährt, da ich die Modelle farblich gestaltet habe und diese Nähmaterialien die Farbe aufgenommen haben und nach Aushärtung dann spröde und brüchig geworden sind.
Nach dem Nähen ist natürlich das Überschleifen einer solchen Befestigung nicht mehr möglich, da ansonsten die Fäden durchgeschliffen werden.
Nun zum Nähen. Zuerst werden die erforderlichen Löcher angezeichnet, wobei, je nach Länge der Ruder, ein Abstand, untereinander, von 2,0 bis 4,0 cm angezeigt ist. Der Abstand vom Rand sollte, je nach Leitwerksgröße 1,0 bis 1,5 cm betragen. Der jeweilige Abstand vom Ruderspalt 0,5 bis 1,0 cm. Die beiden äußeren Löcher werden auf dem feststehenden Leitwerksteil, wie auch dem Ruder gegenüberliegend angezeichnet. Die übrigen Löcher werden entsprechend versetzt. Anschließend werden die Löcher mittels eines 1 mm – Bohrers oder einen kleinen, selbst hergestellten Ahle hergestellt. Nun wird ein Faden in ausreichender Länge zum Annähen des gesamten Ruders abgeschnitten. Dann wird das eine Ende des Garnes so oft verknotet, dass der Knoten nicht mehr durch das 1 mm-Loch rutschen kann. Dieser Faden wird nun von oben in das äußere Loch des Ruders gesteckt. Da ich absoluter Rechtshänder bin, fange ich natürlich links an, damit ich die Teile mit den Fingern der linken Hand halten und dann rechts frei arbeiten kann. Bei Linkshändern natürlich spiegelbildlich. Nun wird der Faden, der jetzt unten ist, durch den Ruderschlitz wieder nach oben geführt und in das gegenüberliegende Loch am feststehenden Teil von oben wieder eingesteckt und wieder durch den Ruderschlitz nach oben geführt. Am Ende wird das in den gleichen Löchern 2 x gemacht und dann wird der Faden weiter vernäht. Immer von oben in das Loch eingesteckt, durch den Ruderschlitz nach oben geführt und in das seitlich versetzte Loch von oben wieder eingeführt. So wird nun das gesamte Ruder angenäht. Zwischendurch muss der Faden immer wieder nachgezogen werden. Nicht zu fest, sonst kann er reißen oder, bei weichem Balsaholz, der Faden in das Holz einschneiden. Aber auch nicht zu wenig ziehen, da hierbei das Ruder nicht ordnungsgemäß fest, sondern labbrig ist und die Steuergenauigkeit hierunter leidet. Am Ende der Näharbeit wird der Faden durch die letzten, gegenüberliegenden Löcher wieder 2 x durchgezogen. Dann wird der Faden straff gehalten und mit Kleber im Loch festgeklebt. Die Löcher verschließe ich mit einem kleinen Tropfen Hartkleber, den ich mit einem Finger in das Loch eindrücke, so dass der Faden gehalten und gleichzeitig die Löcher geschlossen sind. Nach Beendigung der Arbeiten ist ein sehr haltbares Scharnier entstanden, welches das Leben des Modelles überdauern wird und keinerlei Risiko des Abreißens eines Ruders in sich birgt.
 

 Bild 1: System des Nähens



 
Bild 2:. selbstgemachte Ahle mit 1,0 mm Stahldraht                




Bild 3: So sehen die angenähten Ruder aus.

 
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